Ernst August Rex auf dem Telegraphenberg

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      Ernst August Rex auf dem Telegraphenberg

      Zeitpunkt:

      Das Dorf Breetze, heute ein Ortsteil der Stadt Bleckede, ist aus vielen Wettbewerben als eines der schönsten Niedersachsens hervorgegangen.
      Gleich hinter dem Friedhof des hochgelegegenen kleinen Ortes beginnt der Wald. In sanfter Steigung führt uns hier der Weg hinauf zur höchsten Erhebung der Breetzer Berge, dem Telegraphenberg (92 m über dem Meeresspiegel). In völliger Einsamkeit liegt dort oben ein Denkmal, dessen Bestimmung sich nicht sofort zu erkennen gibt.

      Auf einem Sockel von kleinen Findlingen erhebt sich ein fast mannshoher Granitobelisk. Die dem vom Friedhof kommenden Besucher zugewandte Seite trägt lediglich die Jahreszahl 1847 und darunter die Wolfsangel. Auch die Gegenseite ist sparsam beschriftet. Sie trägt nicht mehr als die Buchstaben E A R (= Ernst August Rex) und darüber eine Krone.
      Was ist hier geschehen? War etwa König Ernst August von Hannover, der von 1837 bis 1851 regierte, hier oben - er, den das Denkmal mit der Inschrift "Dem Landesvater sein treues Volk" vor dem Hauptbahnhof in Hannover hoch zu Roß in Husarenuniform zeigt.
      Hat er sich von hier aus seine nördlichen Landesteile zeigen lassen: die Elblandschaft stromab bis Hohnstorf und Lauenburg und stromauf bis
      Hitzacker, drüben am anderen Ufer das Amt Neuhaus/Elbe und schließlich landeinwärts die Dörfer und Gehöfte, die Felder und Waldungen bis zu den Türmen Lüneburgs am fernen Horizont? Wirklich, der Blick der sich ohne den jetzigen Baumbestand, der alles verdeckt, von hier oben öffnen müßte, sollte eines Königs würdig sein!

      Aber nichts dergleichen ist geschehen. Niemals ist König Ernst August auf der Höhe des Telegraphenberges gewesen; niemals hat sich an den
      Breetzern das alte schöne Lied erfüllt "Und da sehen wir von weitem Ernst August reiten." Ernst August ist zwar bei den Manövern des 10. deutschen Bundesarmeekorps im Lüneburgischen gewesen, aber die fanden nicht um Breetze, sondern bei Deutsch Evern statt - und nicht 1847, sondern bereits 1843.

      Das Denkmal hier oben ist aus einem weit prosaischeren Anlaß entstanden. Es ist nichts weiter als die Dokumentation einer Inbesitznahme und
      läßt ein Stück Dorfgeschichte von Breetze lebendig werden.

      1838 war hier die Verkopplung durchgeführt worden, und nun gingen die Hofbesitzer daran, die auf ihren Höfen seit alters lastenden Verpflichtungen zu löschen. Das geschah durch die einmalige Zahlung des Fünfundzwanzigfachen der jeweiligen Jahresabgabe. Um die Mittel dafür zu erhalten, verkauften die Bauern ihre Heideflächen in den Breetzer Bergen an den königlichen Domänenfiskus. Die staatliche Forstverwaltung begann alsbald mit der Aufforstung des Gebietes.
      Gleichzeitig erwarb der Fiskus drei Höfe in Bargmoor und vereinigte sie zu einer Försterei. Das geschah in diesem Jahr 1847.
      Vierzig Jahre davor hatte die Höhe hier noch den sehr viel schlichteren Namen "Köttelberg" geführt - nach den Exkrementen des Weideviehs, das die Bauern von Breetze in dem damaligen Wildwuchs dieses Hügelreviers grasen ließen.
      Zum Telegraphenberg ist unsere Erhebung durch Napoleon ! avanciert. Während seines russischen Feldzuges war hier eine Station der optischen Telegraphenlinie, die der Kaiser - mit Abzweigungen rückwärts bis Paris hatte anlegen lassen. Ganz Frankreich war damals von einem Netz aus
      Flügeltelegraphen (1791 von Claude Chappe erfunden) überzogen.

      Mit ihren drei beweglichen Armen ließen sich 196 verschiedene Buchstaben, Ziffern und Zeichen übermitteln, die von Station zu Station, klares
      Wetter vorausgesetzt, mit Fernrohren abgelesen und sofort weitergegeben wurden. Die Übermittlung der Nachrichten soll mit unglaublicher Schnelligkeit vor sich gegangen sein.

      Auf dem Telegraphenberg von Breetze findet sich heute keine Spur der damaligen Station mehr. Sie war auch wohl nicht als dauerhafte Einrichtung gebaut worden.
      Dagegen finden sich neben dem Denkmal die vier schweren Fundamentsteine eines 16 Meter hohen Feuerwachtturmes, der hier nach dem zweiten Weltkrieg errichtet wurde und vor kurzem wegen Baufälligkeit abgerissen werden mußte. Von da oben soll man bei wolkenlosem Himmel mit dem Fernrohr bis zu den 60 Kilometer entfernten Toren Hamburgs geblickt haben.
      Das schöne Denkmal hat sich die Forstverwaltung hier oben auf dem Wald gesetzt, der seit hundert Jahren hügelauf hügelab sich
      hinzieht.


      Quellenagabe für den Text: Erich Hessing in "Denkmäler, Menschen und Geschichten im Landkreis Lüneburg, Herausgeber Landkreis Lüneburg, Dezember 1981, erschienen im Stern-Verlag, Henning v. Stern, Lüneburg.

      Im Bleckeder Heimatbuch von Ute Schötteldreyer aus dem Jahre 1983 steht dazu noch, daß der Feuerwachtturm im Jahre 1975 abgerissen wurde und daß er schon ein paar Jahre vorher seine Funktion verloren hat. Zum Stein steht dort schlicht und einfach, daß er an das Jahr 1847 erinnert. Im Jahre 1847 wurden die Breetzer Berge Staatsforst, wohingegen sie sich bis dahin im Privatbesitz des
      Welfenhauses befunden haben.


      Anbei sind auch noch drei Photos, die ich gestern in Breetze gemacht habe.

      Gruß,
      THW Kiel
      Dateien

      Telegraphenberg Breetze

      Zeitpunkt:

      Hallo THW Kiel,

      da hast du ja wieder einer sehr interessanten Artikel zur Geschichte Bleckedes bzw. Breetzes aufgestöbert. Ich selber war vor ca. 10 Jahren zuletzt dort, konnte mir die Bedeutung des Denkmales damals nicht erklären. Aus Erzählungen meiner Eltern war mir nur bekannt, dass der erwähnte Feuerwehrturm mal auf dem Telegraphenberg gestanden hat.
      Klasse!
      Hat jemand hier im Forum zufällig noch alte Fotos von dem Turm, die er hier ausstellen kann?

      In Breetze soll es doch einmal eine oder mehrere Ziegeleien gegeben haben. Ein Straßennahme in Breetze weist m.W. darauf hin. Weiß jemand hierzu näheres und hat ggf. auch noch alte Fotos???
      Schönen Tag wünsche ich noch.

      Manni

      Zeitpunkt:

      @ Manni: Erstmal vielen Dank für die Rückmeldung...

      Photos vom Turm auf dem Telegraphenberg scheinen leider Mangelware zu sein. Leider kann ich damit nicht dienen und suche selbst welche. Zum Thema Breetze und die Ziegeleien habe ich gerade gestern einen Bericht aus dem Jahre 1959 eingestellt, den Du auch unter "Breetze" findest. Dort sind auch ein paar Photos zu sehen. Zusätzlich finden sich die Photos in der Galerie.

      Gruß und weiterhin viel Spaß hier!

      THW Kiel
      Ganz wunderbar! Es ist definitiv der Feuerturm auf dem Telegraphenberg in Breetze. Man kann es zum einen an dem Geländer rechts am Bild erkennen. Dieses führt zum Gedenkstein und ist noch heute in der gleichen Bauweise vorhanden. Wenn man sich dieses dann als Orientierungspunkt nimmt, dann muß der Turm aus Richtung Breetzer Friedhof kommend unterhalb links liegen. Das Fundament des Turmes ist ja noch heute als Orientierungspunkt sichtbar. Die Perspektive des Bildes ist dann genau stimmig, wenn ich es so betrachte.

      Gruß,
      THW Kiel
      Klasse Bild, wenn man heute da vor dem Berg steht, kann man kaum glauben, dass dort mal der Turm stand. Aber THW hat es ja anhand der Bilder widerlegt. 35 Jahre macht eine Menge an Zeit, wie man an den Bäumen heute erkennen kann.

      Irgendjemand hatte doch auch mal ein Bild, wo die Bäume noch recht klein waren?
      Ich habe auch noch zwei alte Photos vom Telegraphenberg gefunden. Beide sind aus dem Oktober 1953.

      Auf dem ersten kann man im Hintergrund den unteren Teil des Feuerturms sehen. Bei einem Vergleich mit dem von Kernie06 eingestellten Photo wird deutlich, daß es sich um den selben Turm handelt.


      Auf dem zweiten Photo sieht man den Gedenkstein von 1847. Man kann gut erkennen, daß anders als es heute der Fall ist, weit und breit kein einziger Baum zu sehen ist. Damals muß man von da oben einen ganz phantastischen Ausblick in die Umgebung gehabt haben.


      Gruß,
      THW Kiel
      Hier ist noch eine weitere schöne alte Ansichtskarte, die den damals freien Blick vom Telegraphenberg eindrucksvoll darstellt.


      Die auf den zuvor von mir eingestellten Photos sichtbaren Personen sind Familienmitglieder der Familie Wilhelm Tewes, die früher das Möbelhaus in der Lüneburger Straße (heute italienisches Eiscafe Venezia) hatte. Der Inhaber Wilhelm Tewes ist der Mann im grauen Anzug (auf dem ersten Bild links und auf dem zweiten Bild rechts).

      Gruß,
      THW Kiel