Informationen zum Judenfriedhof Bleckede

      Informationen zum Judenfriedhof Bleckede

      Zeitpunkt:

      :huhu:Bei so vielen Experten hier an Board kann mir vieleicht mal jemand helfen, bitte.


      Ich suche einige Fakten und Informationen über den Bleckeder Judenfriedhof. Ein Bild hab ich schon im Internet gefunden unter diesem Link. Aber leider keine weiteren Infos. :(
      Tatsächlich ............Baro


      Wer andere in die Grube schubst , .... fällt selbst nicht rein.
      Moin,

      auf den Seiten der Uni Heidelberg des
      ZENTRALARCHIV ZUR ERFORSCHUNG DER GESCHICHTE
      DER JUDEN IN DEUTSCHLAND,
      ueber juedische Friedhoefe in Niedersachsen sind Quelle angegeben unter denen du weitere Infos bekommst.

      - Link -

      Allerdings stimmt die Zeitangabe nicht, da auf dem Judenfriedhof in Bleckede nach 1935 mindestens vier Menschen bestattet wurden. Weitere Infos findest du im Bericht Nr. 6 im Kapitel Erinnerungen auf der homepage www.oelhof.de

      Weitere Infos auch im Bleckeder Heimatbuch von Fr. U.Schoetteldreyer, Bleckede.

      Bei der Gelegenheit kann ich auch gleich darauf hinweisen, das aufgrund der Tatsache, das es sich bei den vier Menschen die nach 1935 bestattet wurden um Kriegsgefangene handelte der Bleckeder Judenfriedhof somit eine Kriegsgraeberstaette ist.

      Bisher wurde aber weder von der Seite des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. noch von der Seite der Stadt Bleckede auf diese Tatsache hingewiesen. Ausserdem fehlt die ordnungsgemaesse Beschilderung der Anlage und die Beschriftung der Grabplatten der Kriegsgefangenen (Laenderangabe).

      Wer sich in Bleckede in die Nesseln setzen moechte kann das mit einer offiziellen Anfrage an den Buergermeister in dieser Sache machen...

      Lesart der Stadt Bleckede:
      Wenn wir diesen Ort offiziell ausschildern haben wir dadurch nur noch mehr Ärger...

      Gruss
      Grubert
      Augen auf und durch!
      Moin,
      um alles auch richtig zu benennen muss ich an dieser Stelle anfuegen, dass es in der Vergangenheit immer wieder Menschen gab, die den Judenfriedhof geschaendet haben. Aus diesem Grund stehen teilweise die Grabsteine auch unter einem Baum zusammen.
      Nachdem der Friedhof zum Teil verwuestet wurde konnte man die ursprünglichen Gablagen nicht mehr ausmachen.

      Hier der link zu einem grossen Panoramabild der Gruppe der Grabsteine unter der Eiche. (Vorsicht, evtl. lange Ladezeit! )

      Panoramabild


      Die Befürchtungen der Stadtverwaltung scheinen mir uebrigens nicht aus der Luft gegriffen. Die Lage dieses Friedhofes mitten im Wald wuerde sicherlich mutige Menschen, die die Abgeschiedenheit schaetzen und sich (noch) aus dem Licht der Oeffentlichkeit heraushalten, anziehen. Hier koennten diese Menschen dann in aller Ruhe Parolen und Meinungen mit grosser Wirkung in der Oeffentlichkeit platzieren.

      Die Folge ist dann, dass wir uns auch linkselbisch ueber Rechtslastigen Unfug Gedanken machen muessten...
      ...und das wollen wir doch nicht oder?

      Gruss
      Grubert
      Augen auf und durch!
      @ Grubert:
      Ich kann Dir nur beipflichten. Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, daß es diese Störenfriede in der Vergangenheit immer wieder mal gab - und ich fürchte, daß es sie auch in der Zukunft geben wird. Leider stimmt es wohl auch, daß die exponierte Lage mitten im Wald für manch lichtscheuen Gesellen eine zusätzliche Einladung sein könnte.
      Allerdings darf nach meiner Meinung nicht außer Acht gelassen werden, daß dieser Friedhof ein Kulturgut besonderer Art darstellt - ebenso, wie die Geschichte der Juden, die bis ca. 1935 in Bleckede gelebt haben, kulturell wertvoll ist und nicht in Vergessenheit geraten darf. Auch das ist schließlich ein Stück der Geschichte unserer schönen Heimatstadt.
      Insofern erachte ich den Weg, dieses möglichst zu verdrängen, als den falschen. Ich bin mir dabei dessen bewußt, daß diese Verdrängung seitens der Stadt wohl erfolgt, um das Kulturgut Judenfriedhof zu schützen, soweit das überhaupt möglich ist. Bedauerlich finde ich es dennoch.
      Einen Hinweis kann ich noch zu einem geographisch eng verwandten Thema geben:

      Zwar hat es nicht direkt mit dem Judenfriedhof zu tun, aber unweit davon entfernt befindet sich im Wald ein Gedenkstein mit der Aufschrift "Letzte Richtstätte 1834". Er erinnert an Jakob Andreas Kücken (Vater von Friedrich Wilhelm Kücken) und die letzte Hinrichtung, die anno 1834 in Bleckede erfolgt ist. Damals kannte man das System der staatlichen Gewaltenteilung, also die Trennung von Verwaltung und Justiz, noch nicht und das Schwert war ein sehr bedeutendes und zugleich gefürchtetes Utensil. Bleckede war damals eines der Ämter, in denen die Gerichtsbarkeit ausgeübt wurde. Hier für einige nördlich und östlich von Lüneburg gelegene Ämter. Dieser kombinierte Gerichtsbezirk, eine Art Kriminalamt, hatte in Strafsachen lediglich die Untersuchungen zu führen. Die Urteile wurden in der Justizkanzlei in Celle gefällt.

      Es ging um einen Fall aus Barum, Amt Scharnebeck, der in Bleckede verhandelt wurde. Beschuldigte waren der Zimmermann Peter Schütte und seine Haushälterin Katharina Fehlhaber. Beiden wurde zur Last gelegt, die Ehefrau des Peter Schütte vergiftet zu haben. Da Peter Schütte und Katharina Fehlhaber ein Liebesverhältnis hatten und heiraten wollten, besorgte Peter Schütte bei einem Lüneburger Apotheker Gift, um seine Ehefrau damit zu vergiften. Die Haushälterin und Geliebte Katharina Fehlhaber verabreichte dieses Gift mit Tee vermischt. Am nächsten Tag war Frau Schütte tot.
      Peter Schütte und Katharina Fehlhaber wurden für diese Tat beide zum Tode durch "Ausschleifung nach dem Richtplatze mittels Zerschmetterung ihrer Glieder durch eiserne Keulen von oben herab" verurteilt und ihre leblosen Körper sollten "sodann auf das Rad geflochten werden". Etwas später wurde diese Todesstrafe dann umgewandelt in "nur" Enthaupten...

      Angeordnet wurde dieses Urteil am 13. Mai 1834 unter zwei Kastanienbäumen vor dem Gerichtsgebäude in Bleckede. vollstreckt wurde es unmittelbar im Anschluß. Dazu wurden die beiden Verurteilten auf zwei Erntewagen aus dem Ort herausgefahren zum sogenannten Köppelberg. Dieser liegt in der Bleckeder Bürgerforst, unweit von Platos Ruh hinter dem Judenfriedhof. Noch heute erinnert ein kleiner Findling an dieses Ereignis.
      Das Richtschwert, oder besser gesagt eine Nachbildung des Richtschwertes konnte früher im Bleckeder Heimathaus bewundert werden.
      Moin,
      zu den Grabsteinen auf dem Judenfriedhof in Bleckede, die bisher auf keinem Bild auftauchten.

      Arman Dshanatajew, sowjetischer Kriegsgefangener (Stalag XB Nr. 206068 ) geb. am: ???
      ist am 30.01.1944 in Bleckede verstorben.
      Der Sterbefall wurde, nachdem er vom Landrat in Lueneburg am 01.02.1946 angezeigt worden ist beim Standesamt in Bleckede unter der Nummer 30/1946, am 04.02.1946 beurkundet.

      Paul Umanez, sowjetischer Kriegsgefangener (Stalag XB Nr. 206770 ) geb. am: 28.12.1905 in: ???
      ist am 16.11.1944 in Bleckede verstorben.
      Der Sterbefall wurde, nachdem er vom Landrat in Lueneburg am 01.02.1946 angezeigt worden ist beim Standesamt in Bleckede unter der Nummer 31/1946, am 04.02.1946 beurkundet.

      Alexandra Jakowlowa, landwirtschaftliche Arbeiterin, geb. am: 07.12.1924 in Rußland ist zuletzt lebend gesehen worden am 07.01.1943 gegen 20.00 Uhr und tot aufgefunden worden am 08.01.1943 gegen 06.30 Uhr, jeweils in Wendewisch.
      Der Sterbefall wurde, nachdem er vom Amtsgericht in Bleckede, Gz. : 02/1943, angezeigt worden ist, beim Standesamt Garlstorf unter der Nummer 05/1943, am 02.04.1943 beurkundet.

      Anna Annanowa, geb. im November 1919 in Rußland, ist am 04.12.1944 in Wendewisch verstorben.
      der Sterbefall wurde, nachdem er vom Buergermeister in Wendewisch angezeigt worden ist, beim Standesamt Garlstorf unter der Nummer 03/1946, am 06.02.1946 beurkundet.

      Die unterschiedliche Schreibweise der Namen entstand wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Dokumentation der Sterbefaelle.

      An dieser Stelle sind einige Worte der Erklärung Notwendig.
      Die beiden Männer kamen ueber das Stammlager Sandbostel nach Bleckede. Pazl (Paul) Umanez war der 6. Kompanie der 2. Marine-Baubereitschaftsabteilung der Kriegsmarine in Bleckede zugeordnet. Bisher sind keine Dokumente bekannt aus denen hervorgeht warum diese Gefangenen nicht auf dem "ordendlichen" Friedhof in der Lauenburgerstr. bestattet wurden.
      Außerdem ist unklar warum die beiden Frauen ebenfalls in Bleckede bestattet wurden.

      Die Anzeige der Sterbefaelle erfolgte, bis auf den Sterbefall der Alexandra Jakowlowa, erst 1946, auf Befehl der britischen Militärregierung.

      Der Umgang mit der Geschichte dieser vier Menschen hier in Bleckede ist auch stellvertretend für den Umgang mit der Geschichte der Zwangsarbeit im Landkreis Lüneburg zu betrachten.

      Eine Ursache für die Verheimlichung von Namen und Schicksalen ist die Tatsache, das nur wenig Akten existieren, die beweisen, das diese Zwangsarbeit, nicht nur in den Dörfern und Städten in unserer Region stattgefunden hat.

      Eine weitere Tatsache ist, das gegen das Trauma des Zweiten Weltkrieges kaum Arbeit geleistet wurde, schon gar nicht in den ländlichen Regionen. Somit war Verdraengen und Verschweigen der (scheinbar) leichteste Weg.

      Abschliessend moechte ich nicht unerwaehnt lassen, das die Stadt Bleckede sich immer für die Pflege und Instandhaltung der Graeber auf dem Judenfriedhof veantwortlich gezeigt hat.

      Gruss
      Grubert
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      Augen auf und durch!
      Anbei noch ein paar ganz aktuelle Photos vom Bleckeder Judenfriedhof. Diese habe ich am vergangenen Mittwoch, den 25. August gemacht.

      Gruß,
      THW Kiel
      Bilder
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