20 Feb. 1620 besetzte Fritz von dem Berge Bleckede

  • Auf Anordnung des Herzogs Christian von Lüneburg, anfang 1620 bekam Fritz von dem Berge, den Auftrag : die zu stellenden Pferde, Knechte, Rüstzeug, Pistolen, Bandolierröhren (Gewehre) und was sonst zum Kriegführen gehört, bereit zu halten.


    Auch 200 Pferde und befahl, alle wehrfähigen Männer mit Gewehren und Spaten nach Winsen an der Luhe zu senden.

    Fritz von dem Berge berichtete, daß das [lexicon]Schloß[/lexicon] in [lexicon]Bleckede[/lexicon] nicht fest sei, und bat um Pulver und Blei. Die Fürsten des niedersächsischen Kreises hatten nur den Wunsch den Krieg aus ihren Gebieten fernzuhalten. Aber die zusammengerufene Wehrmacht wurde dem eigenen Lande lästig.

    Schon am 20 Feb. 1620 besetzte Fritz von dem Berge [lexicon]Bleckede[/lexicon]


    es wurden über 200 Männer Zwangseinquartier. Sie quälten und beraubten die Einwohner des Amtes [lexicon]Bleckede[/lexicon]. In Nahrendorf und stahlen sie der Frau Pastor 2 goldene Ringe. Die Reiter brandschatzten die Bruch- und Marschdörfer, nahmen Geld, Mettwürste, Speck, Leinen, Eier, zerschlugen die Fenster und schossen. In [lexicon]Karze[/lexicon] und Vogelsang erpreßten sie 5 1/2 Malter Sandhafer, so daß die Leute nicht genug zum Säen behielten, sondern Land liegen lassen mußten.

    Sie beklagten sich dieserhalb beim Amtmann. Der schrieb einen Brief an den Rittmeister Oldenhaupt, zeigte die Räuberei aber auch dem Herzog Christian an, der den Amtmann Roffsack in [lexicon]Bleckede[/lexicon] beauftragte, ein genaues Verzeichnis aller von den mecklenburgischen Truppen angerichteten Schäden einzuschicken. Einige damit beauftragte lüneburgische und mecklenburgische Beamte trafen sich in Boizenburg und setzten gemeinsam den Schaden fest. Die Mecklenburger mußten einen Schadensersatz von [lexicon]1927[/lexicon] Thaler leisten.

    Christian von Braunschweig hatte den Kreis verlassen und war im Münsterlande von Tilly besiegt Dieser blieb aber mit seinem Heere an der Grenze des Niedersächsischen Kreises stehen. So ständig bedroht, wählten die Fürsten des Kreises auf einer Tagung zu Lüneburg den König Christian IV. Von Dänemark zu ihrem Obristen, obwohl er nur nach Eroberungen in Deutschland trachtete. Um diese Zeit erhielt der Kaiser eine Bedeutende Hilfe von Wallenstein, der ihm ein starkes Heer stellte, das ihm nichts kostete. Christian von Dänemark überschritt mit 2500 Mann bei Stade die Elbe und marschierte an die Weser. Georg, der weitsichtigste und willenkräftigste der welfischen Brüder (S.16) fürchtete, daß es jetzt zum Kampfe komme und daß Christian von Dänemark der Übermacht des Kaisers erliegen werde. Um die welfischen Herzogtümer zu retten, knüpfte er deshalb Verhandlung mit dem Kaiser an und trat in dessen Dienste. Die Dänen schwuren Rache.

    1633 starb Herzog Christian von Lüneburg; ihm folgte sein nächst jüngerer Bruder August. Dieser starb schon 1636; nachdem er kurz zuvor die Regierung seinem jüngeren Bruder Friedrich übertragen hatte.

    Nach Gustav Adolfs Tod übernahm der Kanzler Orenstierna die Leitung der schwedischen Angelegenheiten. Die mit Gustav Adolf verbunden gewesenen deutschen Fürsten wollten sich ihm nicht unterordnen, wie dem verstorbenen Könige. Die Burg [lexicon]Bleckede[/lexicon] hatten sie noch immer besetzt. 1639 befahl der schwedische General Baner dem Kommandanten in [lexicon]Bleckede[/lexicon], die Elbe zu sperren, damit der feindlichen Garnison in Dömitz nicht Lebensmittel zugeführt werden könnten. 1640 verlangte die schwedische Besatzung auf dem [lexicon]Schloß[/lexicon] die Lieferung von Decken und Laken, während das Amt an Herzog Friedrich berichtete: "Die armen Leute können sich und ihre fast nackten Kinder in dieser Winterkälte kaum decken." Als 1641 General Torstensohn nach [lexicon]Bleckede[/lexicon] kam, verlangte sein Kommandant das Holz zur Befestigung des Schlosses. Herzog Friedrich aber befahl dem Amtmann Krüger, sich mit diesem Befehl zu dem schwedischen Gesandten Salvius in Hamburg zu begeben und ihn um Rücknahme des Befehls zu bitten, da das benachbarte Holz gänzlich verwüstet und die Einwohner durch ständige Durchmärsche und Einquartierungen so zugerichtet seien, daß den meisten die notwendigsten Lebensmittel fehlten. 1641 mußte der [lexicon]Flecken[/lexicon] 1000 Mann einnehmen, für jeden forderte man täglich 2 Pfund Brot, 1 Pfund Fleisch und 2 Maß Bier.



    1642 zog der bekannte Oberst Derfflinger durch das [lexicon]Amt Bleckede[/lexicon]. Wiederholt mahnte Herzog Friedrich bei bevorstehenden Durchzügen seine Landeskinder, die Ernte rechtzeitig zu bergen, das Vieh zu verstecken. In demselben Jahre lagen im [lexicon]Amt Bleckede[/lexicon] 6 Wochen lang 4 schwedische Regimenter. Das kostete außer der Einquartierungslast an barem Gelde und zerstörten Sachen 3252 Thaler. In Moislingen wurde die Mühle verwüstet, die Steine zerschlagen, in Sommerbeck ein ganz neues Haus niedergebrannt. Quickborn wurde ganz abgebrannt, in Nindorf blieb nur 1 Haus stehen. Durch das Derfflingische Regiment litten besonders Wendischthun, Garge und Viehle. 1643 waren in der Vogtei [lexicon]Barskamp[/lexicon] Schweden und Kaiserlich einquartiert. Der kaiserliche General Graf Kinsky führte 3 Regimenter durch [lexicon]Bleckede[/lexicon], was dem [lexicon]Flecken[/lexicon] 1648 Thaler kostete. 1644 zogen aus Holstein kommende schwedische und kaiserliche Truppen durch [lexicon]Bleckede[/lexicon]. Vor dem [lexicon]Flecken[/lexicon] lagen 10 tote Krieger und so viele tote Pferde, daß der Bleckeder Abdecker den Lüneburger Nachrichter und dessen Knecht zur Hilfe rief, um bei der großen Hitze die Kadaver möglichst rasch zu beseitigen. In demselben Jahre hat auch die Vogtei Wiebeck schwer gelitten. Die Einwohner verloren 3243 Diemen = 6486 Himten Roggen, 1 H. zu 4 Sch. = 2432 Thaler 537 Diemen oder 2148 Hat. Hafer, 1 Ht. zu 4 Sch. = 402 Thaler 24 Sch.,313 Diemen oder 939 Hat. Gerste, 1 Ht. zu 14 Sch. = 410 Thaler 26 Sch. 290 Körbe Immen = 435 Thaler, 2 Sack Erbsen = 9 Thaler, 2 Wichthimten (Malter) Buchweizen = 9 Thaler, 154 Fuder Heu = 308 Thaler, für Rindvieh und Schweine 872 Thaler, für Hausgerät und Kleider 119 Thaler, zusammen 5057 Thaler 18 Sch. (1Thaler = 32 Sch.) ohne was verbrannt oder zerschlagen wurde. 1645 verlor das Amt 4798 Thaler durch die Einquartierung. 1646 schrieb ein Schwedischer Oberst von Boizenburg an den Amtmann in [lexicon]Bleckede[/lexicon]: "Wie ich von meinen Offizieren erfahre, sind aus denjenigen Ortschaften, durch welche ich ziehen muß, sämtliche Einwohner entwichen, so daß dort auch nicht ein einziger Wagen zur Fortschaffung der Bagage aufzutreiben ist. Sorgt dafür, daß sie zurückkehren, es soll ihnen nicht der geringste Schade zugefügt werden.


    nea89 ? ein Denkmal für einen Kriegs..........?

  • Es ist in höchstem Maße bemerkenswert, daß Fritz von dem Berge von einigen derartig glorifiziert wird, wie wir es erleben. Eine gänzlich unumstrittene Rolle nimmt dieser Mann in der Geschichte ganz gewiß nicht ein. Ebenso wenig gibt es konkrete Beweise für das, was er geleistet haben soll. Leider ist es aber mit der Geschichte immer so eine Sache - jeder liest sie anders oder so, wie er es für seine Zwecke für richtig erachtet. Ebenso dürfte es bei den Leuten, die diesem Mann nun in [lexicon]Bleckede[/lexicon] ein Denkmal setzen wollen, sein.


    Da die Person des Fritz von dem Berge bisher nicht hinreichend beleuchtet werden konnte und seine Leistungen zudem als zweifelhaft zu erachten sind, erachte ich persönlich die Sache mit dem Denkmal als falsch. Vielleicht aber ist Fritz von dem Berge auch nur ein Mittel zum Zweck und diese Leute nutzen ihn, um sich ihr eigenes Denkmal zu bauen?


    Eine interessante Personalie im Zusammenhang mit Fritz von dem Berge ist übrigens die des Moritz von Zahrenhusen. Wenn man sich mit diesem Mann etwas näher befaßt wird noch deutlicher, daß mit Fritz von dem Berge vermutlich etwas nicht gestimmt hat.


    Gruß,
    THW KIel

  • Hallo, Manni!


    Eine genaue Auskunft über Moritz von Zahrenhusen ist schwierig - mindestens ebenso schiwerig wie eine genaue Auskunft über Fritz von dem Berge.


    Bekannt ist, daß Moritz von Zahrenhusen im 16. Jahrhundert gelebt hat und daß er im Jahre 1590 durch Tötung ums Leben gekommen ist. In der Geschichte wird Moritz von Zahrenhusen bisher meistens als Raubritter dargestellt. Seine Stammburg befand sich in Bockum bei Rehlingen (Gemeinde Ehlbeck bei Amelinghausen).


    Auffällig an der Personalie Moritz von Zahrenhusen ist, daß dieser in den Jahren 1568/1569 als Burghauptmann von [lexicon]Bleckede[/lexicon] nachgewiesen ist. Nun muß man sich fragen, was ein Raubritter als Burghauptmann gemacht haben könnte. [lexicon]Bleckede[/lexicon] befand sich damals im Pfandbesitz der Stadt Lüneburg - auch vor diesem Hintergrund erscheint es fraglich, ob Zahrenhusen wirklich ein Raubritter gewesen ist.


    Ein Mann des Gesetzes (wie als Burghauptmann von [lexicon]Bleckede[/lexicon]) soll gleichzeitig ein Wegelagerer von Bockum sein (wie es in der Geschichte zumeist dargestellt wird). Das paßt irgendwie nicht. Hinzu kommt, daß die Zeit der Freibeuter um 1590 eigentlich schon vorbei gewesen sein dürfte und daß die Herzöge in Lüneburg und Celle vermutlich schon vor 1590 genügend (Macht-) Mittel besessen haben, um einen unliebsamen Raubritter wie Zahrenhusen loszuwerden.


    Eine andere denkbare Möglichkeit ist die, daß Zahrenhusen auch in seiner Eigenschaft als Burgherr von Bockum gesetzmäßig (im Auftrag der Obrigkeit) gehandelt hat und daß vorbeifahrende Kauf- und Fuhrleute ihn verleumdet haben, da er sich ihnen in den Weg gestellt und Abgaben verlangt hat.


    An dieser Stelle tritt dann möglicherweise auch Fritz von dem Berge in Erscheinung, der ja ab 1590 Burghauptmann in [lexicon]Bleckede[/lexicon] war. Denkbar ist, daß er an einer Art Komplott gegen Zahrenhusen beteiligt war, schließlich wurde dieser im selben Jahr, also 1590 getötet. Fritz von dem Berge dürfte es gut ins Konzept gepaßt haben, hierdurch einen möglichen Widersacher zu Fall zu bringen.


    Die (ungeklärte) Geschichte zu Moritz von Zahrenhusen könnte durchaus so enden, daß er (Zahrenhusen) ein gesetzes- und obrigkeitstreuer Burgherr war und daß von dem Berge ein Gesetzesbrecher war. Ein ganz unbeschriebenes Blatt ist von dem Berge jedenfalls nicht - und die Spende eines Taufbeckens für die Bleckeder Kirche bedeutet sicher auch keine "Reinwaschung" irgendwelcher Schandtaten des von dem Berge.


    Die ganze Geschichte birgt erheblichen Klärungsbedarf. Solange es diese Klarheit nicht gibt und sich zudem keinerlei verläßliche Hinweise auf die angeblichen Taten des Fritz von dem Berge belegen lassen, erachte ich ein Denkmal für diesen als geschichtlichen Irrweg.


    Gruß,
    THW KIel

  • Als kleine Ergänzung zu THW: es ist grade ein interessantes Buch über Moritz von Zahrenhusen von Lutz Tetau (Stadtarchivar in Gellersen) erschienen. Er hat viele Quellen erforscht und versucht den Mythos vom Raubritter zu entzaubern. Ich lese grad noch drin.
    Zu Fritz vom dem Berge äussere ich mich später, da fehlen mir aber leider einige wichtige und wesentliche Details in dieser Diskussion. Zum Verständnis der nicht so geschichtlich bewanderten Leser, nur als Beispiel: 1620 tobte der 30-jährige Krieg (1618 - 1648) und Gesetze galten mehr oder weniger nicht mehr, das kommt hier aber nicht zur Sprache. Aber da will ich erst selber noch was nachlesen.
    Bis denne
    Gruß
    Rainer

  • und die Spende eines Taufbeckens für die Bleckeder Kirche bedeutet sicher auch keine "Reinwaschung" irgendwelcher Schandtaten des von dem Berge.


    Damals war es ja üblich, daß man sich mit Bestechungen an der geistlichen Obrigkeit guttat. Entweder, weil sie Dreck am Stecken hatten und sie unter Druck gesetzt worden oder/und die geistliche Obrigkeit auf ihre Seite ziehen wollten.


    Viele Grüße,
    Nabila


    ***


    „Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich.“
    Konrad Adenauer

  • @ Rainer: Danke für den Hinweis! Ich habe das Buch heute bei der SG Amelinghausen bestellt. Vielleicht ergeben sich hieraus neue Aspekte. Die Sache mit dem 30-jährigen Krieg stimmt natürlich. Wobei nach dem, was ich bisher zu der Sache gelesen habe, gänzlich unklar erscheint, ob und inwieweit das alles mit dem 30-Krieg und möglichen Kriegshandlungen zu tun haben könnte. Vielleicht ergibt sich auch hieraus ein ganz neuer Aspekt?


    @ Wuestensonne: Gerade deshalb hatte ich das Beispiel mit dem Taufbecken erwähnt. Vielleicht eignet sich dieser Umstand als eine Art Indiz dafür, daß von dem Berge eben keine gänzlich weiße Weste gehabt hat? Wobei es ja auch so schon einige Indizien gibt, die gegen ihn und seine Machenschaften sprechen. Unter anderem sei hier der Umstand genannt, wie er mit dem gemeinen Volk umgegangen sein soll.


    Gruß,
    THW Kiel

  • Ein äußerst interessantes Thema.
    Ich habe gerade mehrere historische Bücher von Freundinnen geschenkt bekommen, spielen aber im 11. Jahrhundert, und bin da auf den Geschmack gekommen.


    Ich weiß nicht ob ich es überlesen habe ... war der von dem Berge ein Ritter oder welchen Stand hatte er?


    Viele Grüße,
    Nabila


    ***


    „Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich.“
    Konrad Adenauer

  • dass Fritz vom Berge das Amt und Schloss [lexicon]Bleckede[/lexicon] vom Herzog erhielt, hängt nach Eckhard Michael (Lüneburg)wahrscheinlich mit der Verschuldung des Landesherrn bei der überaus begüterten Familie v.d.Berge zusammen; die Übertragung des Amtes des Schlosshauptmanns ist dann als Pfandsicherheit anzusehen.
    Die Übertragung des Amtes geschah erst am 6.Dezember 1592(HStA Hann., Celle Br 61, Nr 1503f), so dass eine Verknüpfung mit dem Schicksal des 1590 getöten Moritz von Zahrenhusen nicht sinnvoll anzunehmen ist.Bis dahin lebte F.v.Berge auf Gartz und Lindhorst, seinen Erbgütern.
    Viel interessanter finde ich, wo sein Erbe, sagenhafte 400 000 Reichsthaler, angelegt wurde und verblieb.Und natürlich die Frage, warum sein Grabmal in der Kirche überbaut wurde, die Stiftungsvorgänge um Taufe, Glocke und Gitter Bestand hatten.

  • Eine (ggf. indirekte) Verbindung zwischen den Herren von dem Berge und von Zahrenhusen kann dennoch (über die Landesherren) bestehen. Es muß Gründe dafür geben, daß der eine (von Zahrenhusen) in der Geschichte als Raubritter dargestellt und diffamiert wird, während der andere (von dem Berge), dem nach Überlieferung der Geschichte ein ähnliches Tätigkeitsfeld zukam, als glorifizierte Persönlichkeit mit großem Wirken dargestellt wird. Hier gibt es leider einige Ungereimtheiten, die ungeachtet der Tatsache, daß von Zahrenhusen bereits 1590 umgekommen ist, während von dem Berge erst ab 1592 in [lexicon]Bleckede[/lexicon] gewesen sein soll, einer Klärung bedürfen. Das Buch über Moritz von Zahrenhusen (an dieser Stelle nochmal ein herzlicher Dank an rainer für den Hinwies!) liest sich sehr interessant.


    Gruß,
    THW Kiel

  • Hallo,


    heute um 15 Uhr soll wohl das Denkmal offiziell enthüllt bzw.eingeweiht werden. Ich wäre gern dabei, um Fotos "für die Nachwelt" zu machen, bin leider aber verhindert. Vielleicht macht ja jemand anderes Fotos von dieser "Zeronomie" und stellt sie danach ins Foraum.


    Gruß


    Manni