Stadtmauer in Bleckede?

  • Moin,
    da ist sicher THW der Fachmann. Nach meinen Informationen hat es dort nur einen Graben gegeben. Ich will nicht ausschließen, das da nicht irgendwann mal ein Wall (Zaun, Mauer) gestanden hat, bisher belegt ist es allerdings noch nicht. Es hat an dieser Stelle aber ein Tor gestanden, dies wird wohl links und rechts auch in einem Zaum oder einer Hecke eingefasst gewesen sein. Fußvolk kam wohl immer zu jeder Zeit in die Stadt rein oder raus, Pferd und Wagen (beladen mit Waren) wohl nicht so einfach.


    Gruß
    Grubert

  • Von der Existenz einer Stadtmauer in (oder um) [lexicon]Bleckede[/lexicon] ist mir nichts bekannt.


    @ Wolf: Wahrscheinlich meinst Du die Stadttore, die es früher einmal gegeben hat. Eine Bleckeder Baufirma hat kürzlich an zwei Stellen die Pflasterung der Bürgersteige ausgehoben und durch dunkle Markierungen ersetzt. Es ist passiert in Höhe [lexicon]Breite Straße[/lexicon] 10, in Höhe [lexicon]Friedrich-Kücken-Straße[/lexicon] 13.


    Richtig ist, daß der [lexicon]Flecken Bleckede[/lexicon] früher von einem Graben umgeben wurde, der diesen von den umliegenden Ortschaften getrennt hat. Der Verlauf ging in etwa vom Deich (beginnend zwischen den Häusern [lexicon]Schloßstraße[/lexicon] 2 und 4 durch die [lexicon]Reimerstwiete[/lexicon] über die Kreuzung [lexicon]Bahnhofstraße[/lexicon]([lexicon]Lauenburger Straße[/lexicon]/[lexicon]Friedrich-Kücken-Straße[/lexicon] den [lexicon]Hintergarten[/lexicon] entlang (an der den Fleckengrundstücken zugewandten Seite) durch die [lexicon]Gartenstraße[/lexicon]. Von dort unter dem Haus [lexicon]Breite Straße[/lexicon] 11 über die [lexicon]Breite Straße[/lexicon], weiter zwischen den Häusern [lexicon]Breite Straße[/lexicon] 8 und 10 durch und zum heutigen [lexicon]Stadtdeich[/lexicon].


    Die Tore wurden um 1820 beseitigt. Danach waren die "Übergänge" noch durch Schranken gesichert. Der Graben wurde nach 1880 zugeschüttet wobei der Verlauf des Grabens am [lexicon]Hintergarten[/lexicon] noch bis zum Ausbau bzw. der Asphaltierung der Straße vor ca. 20 Jahren erkennbar gewesen ist.


    Gruß,
    THW Kiel

  • Moin,
    im [lexicon]Bleckede[/lexicon]-Magazin ist eine karte drin die das alles recht gut zeigt. Ebenfalls ist in der Ausstellung der Kartenausschnitt, vergrößert dargestellt, mit dabei.


    Gruß
    Grubert

  • Moin,


    bei mir dauert es halt manchmal etwas länger aber ich habe dafür auch neue Erkenntnisse. @Wolf: es hat die Stadtmauer gegeben und es wäre ja auch eher widersprüchlich gewesen wenn es sie nicht gegeben hätte. [lexicon]Bleckede[/lexicon] wurde [lexicon]1209[/lexicon] gegründet als Ersatz für den zerstörten Ort Bardowick. Bardowick hatte eine Stadtmauer, wie es ja auch durch die Überlieferung durch den berühmten Bardowicker Bullen und die Belagerung durch Heinrich den Löwen belegt ist. Also konnte [lexicon]Bleckede[/lexicon] nicht offen für alle, völlig ungeschützt an der Elbe liegen wo jedes kleine Dorf mindestens einen Palisadenzaun zum Schutz hatte und es noch tiefstes Mittelalter war.
    Nun zu den Belegen:
    1258 wurde [lexicon]Bleckede[/lexicon] als "oppidum" bezeichnet.
    Mit dem lateinischen Wort Oppidum bezeichneten die Römer kleine befestigte und bedeutende Städte.
    Im 13. Jh. wurde die Burg und die erste Deichanlage erwähnt.
    1373 Belagerung durch Herzog Erich von Lauenburg.
    Eine Belagerung wäre ohne eine Schutzanlage kaum möglich gewesen.
    im 14. Jhd. Befestigungsanlage mit 3 Toren vorhanden: Kleines Tor, Großes Tor (= Lüneburger Tor) und ein unbenanntes Tor zwischen Burglehen und [lexicon]Flecken[/lexicon].
    im 16. Jhd. Ansiedlungen von Bauern vor den Stadttoren, Entstehung der Vororte [lexicon]Kleinburg[/lexicon] und [lexicon]Vorbleckede[/lexicon].
    1660 drittes, unbenanntes [lexicon]Stadttor[/lexicon] beseitigt.
    Die Burg selber lag ausserhalb der Stadtmauern von [lexicon]Bleckede[/lexicon] und war geschützt durch den [lexicon]Wallgraben[/lexicon], Burgwall und einem Staketzaun (oben angespitzter Lattenzaun). Zur Burg selber führte eine Zugbrücke bis zum Abbruch 1718. Die Marschdörfer der Elbmarsch einschliesslich [lexicon]Bleckede[/lexicon] hatten die Pflicht den Zaun und den [lexicon]Wallgraben[/lexicon] in Ordnung zu halten, sogenannte Burgfestendienste zu leisten.
    Somit ist klar, dass es die Stadtmauer mindestens bis 1660 noch teilweise gegeben hat.
    Die Ausführungen von Grubert und THW beziehen sich auf die spätere Zeit als Stadtmauern nicht mehr so wichtig waren.
    Wie war nun die Lage der Stadtmauer? Die angesprochene Karte von Grubert im Bleckedemagazin ist erst von 1777 und zeigt den damals vorhandenen Stadtgraben. Sie kann also nicht mehr den Verlauf der alten Stadtmauer zeigen. Es gibt aber eine Karte der Katasterverwaltung in Lüneburg, die [lexicon]1975[/lexicon] angefertigt wurde und den Verlauf zeigt. Aufgrund der Urheberrechte kann ich natürlich diese Karte jetzt nicht hier abbilden. Sie ist veröffentlicht im Buch von Manfred Neugebauer (s. u.).
    @ Grubert und THW: wäre das nicht mal für euch ein Thema bei eurem nächsten Archivtag? Vielleicht bekommt ihr die Genehmigung zum einstellen ins Forum?
    Nun aber zum Verlauf:
    Etwa in Höhe vor dem Geschäft von Fahrradweber befand sich das Große- bzw. Lüneburger Tor. Die Mauer führte dann im Bereich der heutigen [lexicon]Gartenstraße[/lexicon] weiter entlang der heutigen Straße [lexicon]Hintergarten[/lexicon] an den "Achtergärten" vorbei. Dieser Name lässt bereits darauf schliessen, dass sich die Gärten sozusagen vor den Toren der Stadt befunden haben. Dann ging es weiter an der alten [lexicon]Sparkasse[/lexicon] zur Friedrich-Kücken-Str. Das von THW angesprochene Tor in der Friedrich-Kücken-Str. war das sogenannte kleine Tor. Von dort ging die Stadtmauer weiter durch die heutige [lexicon]Reimerstwiete[/lexicon] bis zur Schlossstraße. Hier war das unbenannte Tor. Der weitere Verlauf ist erst einmal nicht weiter eingezeichnet. Denkbar ist die Verlängerung bis zum Deich was aber aufgrund des immer wieder neu verlaufenden Elbebettes eher unwahrscheinlich ist oder sie führte hinter der Kirche etwa im Verlauf der [lexicon]Zollstraße[/lexicon] entlang. Dafür spricht, dass hinter einer gedachten Verlängerung der [lexicon]Zollstraße[/lexicon] wieder ein kleines Teil der Mauer eingezeichnet ist, wieder bis zum Anschluß an das Lüneburger Tor.


    Hier noch die Quellenangaben:
    Zur Geschichte des Kreises [lexicon]Bleckede[/lexicon], Dr. Hoffmeyer, [lexicon]Bleckede[/lexicon] [lexicon]1925[/lexicon]
    Das Bürgerhaus der Kleinstädte im ehemaligen Fürstentum Lüneburg, Manfred Neugebauer, Lüneburg [lexicon]1981[/lexicon]
    [lexicon]Bleckede[/lexicon] Magazin
    Wikipedia


    Ich hoffe, Wolfs Frage ist geklärt? :)
    Mit einem Sonntagsgruß
    Rainer