MS Martha - Die Geschichte eines Binnenschiffes

  • Anbei ist ein Photo des früher in [lexicon]Bleckede[/lexicon] beheimateten Binnenschiffs "MS Martha". Dieses wurde im Rahmen einer europaweiten Abwrackaktion im Jahre [lexicon]1991[/lexicon] bei der Firma Neumann in Hamburg verschrottet. Letzter Schiffseigner war der Partikulier Willi Nürnberg aus [lexicon]Bleckede[/lexicon]. Das Photo entstand im Januar [lexicon]1991[/lexicon] im [lexicon]Bleckeder Hafen[/lexicon].


    Hier die technischen Daten des Schiffes:
    - [lexicon]1925[/lexicon] unter dem Namen "Spreehafen" gebaut als Motorschute für den Hamburger Hafen
    - Bauwerft J.G. Hitzler, Lauenburg/Elbe
    - Baunmmer 421
    - Reederei Neue Norddeutsche Fluß-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (N.N.F.D.G.), Hamburg (später N.N.V.E.)
    - Einsatzgebiet Hafen Hamburg, Heimathafen Hamburg
    - Tragfähigkeit 122 t
    - Tiefgang 1,85 m
    - Länge über Alles 24,30 m
    - Breite über Alles 5,60 m
    - Seitenhöhe 1,90 m
    - Maschinenanlage Viertakt-Dieselmotor, Maschinenleistung 35 PS, Maschinenhersteller MAN [lexicon]1925[/lexicon]
    - Propeller ein, Ruderanlage Einflächen-Handruder
    - Laderäume ein, eine Luke mit Wellblechabdeckung und Zollverschluß
    - Ladeeinriichtungen ein Mast und ein Baum
    - Besatzung zwei Mann


    Die N.N.F.D.G. hatte das Schiff mit drei weiteren Neubauten bei der Werft J.G. Hitzler in Lauenburg/Elbe bestellt. Es bekam die Baunummer 421 und wurde [lexicon]1925[/lexicon] abgeliefert. Die Baukosten betrugen damals 27.893,28 Reichsmark.


    Das Schiff blieb bis [lexicon]1953[/lexicon] unverändert im Hamburger Hafen im Einsatz. [lexicon]1953[/lexicon] verkaufte die Reederei es an den Partikulier E. Pagel aus Hamburg, der es fortan unter dem Namen "Tangerland" betrieben hat. Der neue Eigner setzte das Schiff außerhalb des Hamburger Hafens auf der Oberelbe und verschiedenen westdeutsche Kanälen ein. Hierzu waren einige technische Veränderungen von Nöten: Bereits [lexicon]1952[/lexicon] hatte das Schiff einen stärkeren 4-Takt-Deutz-Dieselmotor mit einer Leistung von 120 PS. In den Jahren [lexicon]1955[/lexicon] und [lexicon]1962[/lexicon] wurde das Schiff auf 39,16 m bzw. 49,20 m Länge verlängert. Hierdurch vergrößerte sich die Tragfähigkeit auf 260 t bzw. 344 t Ladekapazität. Im Jahre [lexicon]1963[/lexicon] erfolgte eine nochmalige Neumotorisierung mit einem Daimler-Benz-4-Takt-Dieselmotor, der eine Leistung von 300 PS hatte.


    Im Jahre [lexicon]1975[/lexicon] verkaufte E. Pagel das Schiff dann an den Partikulier Willi Nürnberg aus [lexicon]Bleckede[/lexicon]. Dieser setzte es unter dem Namen "Martha" weiter im Elberaum ein. Willi Nürnberg war der letzte Schiffseigner. Im Jahre [lexicon]1991[/lexicon] wurde das Schiff verschrottet.


    Der Schiffskörper entsprach in seinen Linien weitestgehend der typischen Form einer Hamburger Hafenschute. Eine Ausnahme bildete das Heck des Schiffes. Die Spanten waren gerundet und gingen mit einem Kimmradius von 400 mm in den flachen Boden über. Das Heck entsprach in der Konstruktion einem typischen Heck eines maschinengetriebenen Schiffes. Die Hinterschiffslinien erlaubten einen guten Wasserzufluß zur Schiffsschraube und zum Einflächenruder. Die Außenhautbeplattung war in Nietkonstruktion ausgeführt. Sie hatte im Bereich der Seitenwände eine Stärke von 7 mm. In der Kimm waren es 8 mm und am Boden 7 mm. Die Spanten bestanden aus L 75x50x7mm. Die 180 mm hohen Bodenwrangen hatten eine Blechstärke von 6 mm mit Anschlußwinkeln 75x50x7 mm und L 50x50x6 mm als Gegenspant. Die 600 mm breite Gangbord bestand aus 6 mm Riffelblech, das sich anschließende Lukensüll war 600 mm hoch und hatte eine Stärke von 6 mm. Der Laderaumboden war ausgelegt mit einem Streck aus 50 mm starken Fichtenholzbohlen. Der Laderaum war bei Spant 24 durch ein stählernes Querschott unterteilt. In der Vorpiek befand sich die Logis für die Schiffsbesatzung.


    Der direkt an der Schiffsschraube verbundene erste Antriebsmotor hatte eine Leistung von nur 35 PS. Hierbei handelte es sich um einen einfachwirkenden MAN-4Takt-Dieselmotor mit 3 Zylindern von 150 mm Durchmesser und 220 mm Hub. Die Anordnung erfolgte im Heck in einem recht großzügig erscheinenden Maschinenraum mit versenktem Decksaufbau und Oberlicht. Auch die auf dem Deck an der Vorkante des Maschinenraums angeordnete Ladewinde wurde mittels Kettenantrieb vom Hauptmotor angetrieben.


    Quellen: Text Werner Hinsch, Hohnstorf. Schiffsarchiv des Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums e.V. sowie Baulisten der Schiffswerft J.G. Hitzler, Lauenburg/Elbe.


    Gruß,
    THW Kiel

  • Hi,


    schöner Beitrag. Wenn ich micht recht ensinne, kenne ich das Schiff noch aus Jugendtagen.
    Wir haben damals viel Zeit an der Elbe und [lexicon]am Hafen[/lexicon] verbracht.


    Danke für die Erinnerung THW.