Was bedeutet eigentlich Bleckede?

  • Für alle, die es interessiert, oder die sich diese Frage schon immer mal gestellt haben, möchte ich hier mal eine wahrscheinliche Definition für den Namen "[lexicon]Bleckede[/lexicon]" geben.


    Der Name [lexicon]Bleckede[/lexicon] ist vermutlich eine Zusammenziehung aus den beiden Worten "Bleck" und "Hude" und kommt in ältester Zeit auch urkundlich unter diesem Namen vor. "Bleck" bedeutete eine Leinenbleiche und "Hude" ist die Bezeichnung für einen Weideplatz; man erinnere sich an das Wort "hüten"...


    [lexicon]Quelle[/lexicon]: "Geschichte des Fleckens [lexicon]Bleckede[/lexicon]. - Festschrift zur 700jährigen Jubelfeier am 28. und 29. August [lexicon]1909[/lexicon] von Wilhelm Keetz, Herausgegeben vom Festausschuß [lexicon]1909[/lexicon]"

  • Moin,


    ich hab mal im Buecherschrank gewuehlt:


    Damit man alles im "Schirm" hat empfehle ich zuerst den Bericht von Laurentinus ueber die Bleckeder Gruendungsurkunde hier im Forum zu lesen. Hier klicken!


    [lexicon]Bleckede[/lexicon]
    Am 28. August [lexicon]1209[/lexicon] stellt Wilhelm, der juengste Sohn Heinrich des Loewen, in Lueneburg eine Urkunde aus, die Bestimmungen fur die Neugruendung einer Stadt enthaelt, die den Namen "Loewenstadt" tragen sollte (civitatem novam loewenstat nominatem). Die sehr detaillierten Angaben der Urkunde lassen erkennen, das es sich dabei um den Versuch handelt, den Ort [lexicon]Bleckede[/lexicon] — bis dahin wohl ein Dorf — unter dem neuen Namen zu einer Vollstadt (civitas) zu erheben. Dieser Versuch muss aber als misslungen angesehen werden, denn der Ort erscheint ein halbes Jahrhundert spater (1258 ) als Kleinstadt oder [lexicon]Flecken[/lexicon] (oppidum) und wieder unter seinem angestammten Namen [lexicon]Bleckede[/lexicon]. Erst 1310 wird [lexicon]Bleckede[/lexicon] zur Stadt erhoben, nun allerdings nicht mehr unter Verleihung des Bardowicker Rechts wie [lexicon]1209[/lexicon], sondern des Rechts der Stadt Lueneburg.
    In der Urkunde von [lexicon]1209[/lexicon] wird das Weichbild der projektierten Loewenstadt mit genauen Orts- und Gelaendeangaben beschrieben, d. h. die Gemarkungsgrenzen werden genau festgelegt. Die Grenzbeschreibung lautet: limes protenditur versus orientem ultra albiam, ad occidentem usque ad locum qui dicitur Schalkesburg, in septentrionali plaga usque ujtecowe (= vitecowe), in australi parte usque ad sclavicum Blekede. Zu deutsch: Die Grenze erstreckt sich nach Osten ueber die Elbe, nach Westen bis an den Schalkesburg genannten Ort, in nordlicher Richtung bis zur Vitico, im Sueden bis zum slawischen (wendischen) Blekede.
    Was ist nun vom sprachlichen Gesichtspunkt aus zu den in der Urkunde genannten Ortsbestimmungen zu sagen? Zunaechst [lexicon]Bleckede[/lexicon]. Ein "Blek" oder "Blik" ist eine Flaeche Landes, eine Stelle, ein Platz, auch ein kleiner oder grosser Ort. Das Wort ist unserer mittelniederdeutschen Sprache gelaeufig, und Kueck fuehrt es in seinem "Lueneburger Woerterbuch" in den verschiedensten Bedeutungen und Zusammensetzungen als ein dem lebendigen Plattdeutschen angehoeriges Wort; die Grundbedeutung sieht er in "eine gelichtete Stelle" (1,169 f.). An dieses Wort ist in unserem Ortsnamen die haeufig vorkommende Endung -ede angehaengt, die einen zusammenfassenden Charakter hat, so dass man [lexicon]Bleckede[/lexicon] etwa mit Gelaende wiedergeben konnte. Ausgedrueckt ist hier wohl die topographische Tatsache, das dieses Gelaende sich (als hochgelegener Geestruecken) als bewohnbare Flaeche aus dem Marschland der Elbe heraushebt.
    Die Elbe, deren lateinischer Name gewoehnlich Albis oder Alba lautet, erscheint hier in der Variante albia.
    Was in der Urkunde Schalkesburg hessit, das ist "die Burg eines Knechtes", also wohl eines "Dienstmannen", lautet heute als Flurname "Schalksberg", 1776 aufderLandesaufnahme aber noch "Schalchsborg"; der Name hat also in den vergangenen 200 Jahren eine Umdeutung erfahren.
    Von besonderem Interesse ist der Ortsname "slavicum Blekede", das ist "wendisch Blekede". Dieser Ort ist auf der Landesaufnahme noch als selbstaendige Siedlung neben "[lexicon]Vorbleckede[/lexicon]" ausgewiesen. Ihr Name erscheint in der Urkunde von [lexicon]1209[/lexicon] noch einmal in der Form "Bleketsa". Durch den Zusatz "slavicum" gibt sich der Ort als eine von Wenden bewohnte Nebensiedlung zu einem deutschen und aelteren Ort [lexicon]Bleckede[/lexicon] zu erkennen. Diese Feststellung ist deswegen bedeutsam, weil in jener Urkunde nirgends von Blekede selbst die Rede ist, das durch die Bezeichnung "Loewenstadt" verdeckt ist.
    Schliesslich Vitecowe, heute der Name eines (sehr feuchten) Gehoelzes, in der Urkunde von [lexicon]1209[/lexicon] aber wohl ein bewohnter Ort, wenn wir der Deutung von Kuehnel folgen, der darin den "Ort (oder Wald) des Vitek" sieht, zu einem altslawischen Verbum vitati = bewohnen, woraus Namen wie kaschubisch Vitkovo, tschechisch Vitkov, polnisch Witkowo abzuleiten sind.
    Dieses Gehoelz liegt nahe bei der Siedlung [lexicon]Heisterbusch[/lexicon], die ihren Namen nicht von einem Gebuesch junger Buchen oder Eichen (Kueck 1,695), sondern von einem Gebuesch haben wird, in dem Elstern ihre Nester gebaut hatten: Kueck 1,660 Haist'r 2, maskulinum, Elster.


    zitiert aus:
    Schneider, Ludwig, Dr.; Orts und Gewaessernamen im Landkreis Lueneburg; Landkreis Lueneburg (Hrgs.) [lexicon]1988[/lexicon] 1. Auflage; Seiten 72 ff


    Der zitierte Text bezieht sich auf folgende Quellen:
    K. Schiller und A. Luebben, Mittelniederdeutsches Worterbuch. 6 Baende. Bremen 1875-81. Neudruck Minister [lexicon]1931[/lexicon].
    August Luebben — Christoph Walther, Mittelniederdeutsches Handwoerterbuch. 1888. Neudruck [lexicon]1965[/lexicon] (zitiert Mnd. Wb.).
    A. Lasch, C. Borchling, G. Cordes, Mittelniederdeutsches Handwoerterbuch. Erster Band (A-F/V). Neumuenster [lexicon]1956[/lexicon] (zitiert Mnd. Handwb.).
    Eduard Kueck, Lueneburger Worterbuch. Bd. 1, [lexicon]1940[/lexicon]. Bd. 2, [lexicon]1962[/lexicon]. Bd. 3, [lexicon]1967[/lexicon].
    Karl Wachholz Vlg. Neumuenster.
    Friedrich Kluge, Etymologisches Worterbuch der deutschen Sprache. 21. Aufl. [lexicon]1975[/lexicon], bearbeitet von Walther Mitzka.
    A. Heintze — P. Cascorbi, Die deutschen Familiennamen. 7. Aufl. [lexicon]1933[/lexicon]. Heimatkundliche und Fachwissenschaftliche Literatur
    Ludwig Bueckmann, Orts- und Flurnamen. In: Lueneburger Heimatbuch Bd. II, S. 158— 216.1. Aufl. [lexicon]1914[/lexicon]. -2. Aufl. [lexicon]1927[/lexicon], S. 93-167 (mit geringen Veraenderungen). Zitiert wird nach der 2. Auflage.
    P. Kuehnel, Die slavischen Orts- und Flurnamen im Lueneburgischen. In: Zeitschrift des historischen Vereins fuer Niedersachsen [lexicon]1901[/lexicon] (Erster Theil S. 66-234), [lexicon]1903[/lexicon] (II. Theil S. 47-174. Schluss-Theil S. 224-430).
    Die Darstellungen von Bueckmann und Kuehnel enthalten die urkundlichen Belege der Ortsnamen aus alterer Zeit. Der Namenforscher kann sich dazu noch auf die folgenden seither erschienenen Urkundenbuecher stuetzen:
    Veroeffentlichungen der Historischen Kommission fur Niedersachsen und Bremen. XXXVII. Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im Mittelalter. Bd. 1. Urkundenbuch des Klosters Scharnebeck, bearbeitet von Dieter Brosius. Lax Vlg. Hildesheim [lexicon]1979[/lexicon]. Bd. 2. Urkundenbuch des Stifts Ramelsloh, bearbeitet von Dieter Brosius. Lax Vlg. Hildesheim [lexicon]1981[/lexicon]. Bd. 7. Urkundenbuch des Klosters Ebstorf, bearbeitet von Klaus Jaitner. Vlg. Lax Hildesheim [lexicon]1985[/lexicon].
    Zu den wendischen Ortsnamen ziehe man auch heran:
    Reinhold Trautmann, Die wendischen Ortsnamen Ostholsteins, Luebecks, Lauenburgs und Mecklenburgs. Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins Bd. 21. Vlg. Wachholz [lexicon]1939[/lexicon].



    ...ganz ruhig bleiben, ich musste das auch mehrfach lesen bis etwas haengen blieb.


    Gruss
    Grubert

  • @ Grubert:
    Sehr guter Beitrag! Den Beitrag von Laurentinus hatte ich zuvor auch gelesen. Ich habe versucht, die dortigen Informationen mit den mir unter anderem aus den Festschriften Bleckedes zur 700-Jahrfeier aus dem Jahre [lexicon]1909[/lexicon] und zur 750-Jahrfeier aus dem Jahre [lexicon]1959[/lexicon] abzugleichen. In beiden stehen die Dinge in einigen kleinen Details etwas anders. Aber, daß dürfte normal sein, daß bei derart alten Urkunden und Unterlagen Passagen etwas unterschiedlich interpretiert werden. Die entscheidenden Aussagen und Passagen sind bei allen Übersetzungen deckungsgsgleich.