Die Gemeinde Amt Neuhaus "und andere Gebiete" und die Rückgliederung von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen 1993

    • Offizieller Beitrag

    Im Jahre

    1993

    wurde zwischen den Ländern Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern nach mehrjähriger Arbeit ein Staatsvertrag geschlossen, der die Rück- bzw. Umgliederung einiger Gemeinden und Gemeindeteile von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen vorgesehen hat. Wirksam wurde dieser Staatsvertrag in der Nacht zum 30.06.

    1993

    .


    Heute wird fast immer nur davon gesprochen, daß damals die Gemeinde Amt Neuhaus vom mecklenburgischen Kreis Hagenow in den niedersächsischen Landkreis Lüneburg um- oder rückgegliedert wurde. Diese Darstellung ist so nicht ganz korrekt. Tatsächlich lautete der Staatsvertrag auf "Rückgliederung der Gemeinde Amt Neuhaus und anderer Gebiete von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen". Bei diesen anderen Gebieten handelte es sich um die bis dato zur Gemeinde Teldau gehörenden Ortschaften Neu

    Bleckede

    und Neu Wendischthun (heute als

    Bleckede

    -Wendischthun ein Ortsteil der

    Stadt Bleckede

    ) sowie Stiepelse (heute ein Ortsteil der Gemeinde Amt Neuhaus). Dazu kam ebenfalls aus der Gemeinde Teldau noch das ur-mecklenburgische Niendorf, das heute ebenfalls ein Teil der Gemeinde Amt Neuhaus ist. Als weiteres Gebiet kam noch der auch früher schon zum Landkreis Lüneburg gehörende Forstbezirk Bohldamm mit der Gemeinde Amt Neuhaus nach Niedersachsen. Es ist übrigens die bis heute einzige Umgliederung von Gemeinden oder Gemeindeteilen von einem neuen in ein altes Bundesland, wenn wir davon absehen, daß es den Zusammenschluß von Ostberlin und West-Berlin gegeben hat.


    Wenn wir uns nur den beabsichtigten Hintergrund der damals bewußt gewählten Formulierung "und anderer Gebiete" vergegenwärtigen, wird schon hieraus deutlich, daß die heute oft gebräuchliche vereinfachte Darstellung in der nur Vom Amt Neuhaus gesprochen wird, sachlich unzutreffend ist. Die

    Stadt Bleckede

    ist durch diese Rückgabe ihres Ortsteils am rechten Elbufer mit den beiden genannten Ortschaften heute da facto die einzige Gemeinde in Niedersachsen, durch die die Elbe durchfließt. Eine vertragliche Änderung der Zugehörigkeit der Gemeinde Amt Neuhaus könnte zunächst keine Bedeutung für den rechtselbischen Ortsteil der

    Stadt Bleckede

    entfalten - es sei denn, auch hier würde die Bleckeder Problematik konkret benannt werden. Andernfalls wäre davon auszugehen, daß eine Änderung nur die Gemeinde Amt Neuhaus betreffen würde. Ganz abgesehen davon, daß eine erneute Rückkehr nach Mecklenburg-Vorpommern für die Gemeinde Amt Neuhaus aktuell wohl nicht zur Debatte steht.


    Ungeachtet dessen macht diese Problematik aber deutlich, daß wir sehr genau unterscheiden müssen ob wir von der benachbarten Gemeinde Amt Neuhaus oder den beiden zur

    Stadt Bleckede

    gehörenden Ortschaften sprechen oder ob wir vielleicht sogar beides meinen.


    Gruß,
    THW Kiel

  • Meine Überlegungen befassen sich mit den Bleckeder Ortsteilen Neubleckede und Neuwendischthun. Was würde sein, wenn das Amt Neuhaus sich tatsächlich zurück nach Mecklemburg-Vorpommern orientieren würde (mal abgesehen davon, dass das nicht kurzfristig sein wird.
    Wenn ich Texte über die Entstehung der beiden Ortschaften richtig verstanden habe, so gab es zunächst auf der rechten Elbseite nur Wälder, Felder und Wiesen, die zu Bleckeder (ohne Berücksichtigung der Unterteilung in

    Kleinburg

    , etc.) Bauern gehörten, bzw. von ihnen gepachtet waren. Um nicht ständig die Elbe queren zu müssen, begannen sie sich dort anzusiedeln und bauten ihre Häuser auf Warften, um sie so vor den Elbehochwassern zu schützen.
    Später finanzierten sie dann sogar eine eigene Schule und eine Lehrerstelle, sodass auch ihre Kinder nicht mehr über die Elbe mußten.
    (Ich meine dies im

    Bleckeder Heimatbuch

    von

    Ute Schötteldreyer

    gelesen zu haben, finde es aber im Moment nicht - kann also nicht die Seitenzahl angeben.)
    Überhaupt ist mir aufgefallen, dass im vorgenannten Buch, dass

    1983

    herausgegeben wurde, die rechtselbischen Ortsteile keine eigenständige Darstellung haben. Es werden zwar immer wieder Hinweise gegeben oder Begebenheiten berichtet, aber nicht in der Weise wie für die linkselbischen Ortsteile.
    Es wird großer Anstrengungen bedürfen, um den Zusammenhalt mit den rechtselbischen Bewohnern Bleckedes zu bewahren. Vor allem sie müßten sie endlich vom Fährgeld befreit werden und wenn der Landkreis nicht dazu bereit oder in der Lage ist, dann muß die Stadt dies übernehmen. Es ist nicht einzusehen, dass die Bewohner Neu Bleckedes und Neuwendischthuns extra dafür bezahlen müssen, wenn sie hier einkaufen, zum Arzt müssen oder sonst was zu erledigen haben.
    Unabhängig davon stellt sich die Frage, wie es mit der Beschulung weitergehen soll - sollen die rechtselbischen Bleckeder Kinder nach Boizenburg zur Schule? Im Allgemeinen ist die Erreichbarkeit der Bleckeder Schulen ja gegeben, außer bei übermäßigem Hochwasser oder sonstigen Gründen für die Einstellung des Fährverkehres.
    Es wäre mal interessant, eine Statistik zu sehen, aus der hervorgeht, an wie viel Tagen seit Beginn des regelmäßigen Fährverkehrs die Fähre - und aus welchen Gründen nicht gefahren ist. Solange diese Zahlen nicht allgemein bekannt sind, kann über die Notwendigkeit einer anderen Querung nur "schwadroniert" werden
    meint pixel-line

    • Offizieller Beitrag

    Der Umstand, daß die rechtselbischen Ortschaften Bleckedes im

    Bleckeder Heimatbuch

    nur eine untergeordnete Darstellung finden, dürfte sich geschichtlich damit begründen lassen, daß dieser Ortsteil im Jahre

    1983

    nicht zugänglich war und das Quellenmaterial entsprechend dünn gewesen sein dürfte. Im Jahre

    1983

    hatten wir ja noch den "Eisernen Vorhang", der die

    Stadt Bleckede

    geteilt hat.


    Ein weiterer Punkt ist sicher der, daß die Schnittpunkte über die Elbe heute denkbar klein sind. Bis

    1945

    war

    Bleckede

    eine Gemeinde, man kannte sich und es wurden rege Kontakte über die Elbe gepflegt. Sicher auch aus den genannten Gründen, daß viele Bleckeder Land auf der anderen Elbseite hatten und dort ihre Ernte gemacht haben.


    Das alles ist aber nach der Wende seit

    1989

    nicht wieder so in Gang gekommen wie wir es von früher kennen. Ganz abgesehen von den heute tatsächlich über die Elbe bestehenden Kontakten. Ich für mich nehme es so wahr, daß die Elbe heute mehr trennendes als verbindendes hat. Das würde sich auch durch den Bau einer Brücke nicht ändern, denn im Gegensatz zu früher sind mir die meisten heute auf der anderen Elbseite schlichtweg fremd.


    Eine Vergünstigung der Überfahrten mit der Fähre wäre sicher anzustreben. Mir ist aus dem Wahlvorstand des Wahlbezirks

    Bleckede

    -Mitte (zu dem aufgrund der geringen Zahl an EInwohnern auch der rechtselbische Ortsteil

    Bleckede

    -Wendischthun gehört) bekannt, daß die Menschen von rechts der Elbe meistens Briefwah machen. Und wenn sich dann doch mal einer ins Wahllokal im Albert-Schweitzer-Altenheim in der

    Ernst-August-Straße

    verirrt, dann darf er das Fährgeld aus eigener Tasche bezahlen. Das kann irgendwie nicht richtig sein. Die

    Stadt Bleckede

    spart die Kosten für ein eigenes Wahllokal. Im Gegenzug wäre hier sicher über einen Erlaß der Kosten für die Fährüberfahrt nachzudenken.


    Soweit ich es vor einiger Zeit mal gelesen habe, soll die Fährverbindung in den Jahren seit

    1990

    durchschnittlich für etwa zwei Wochen im Jahr unterbrochen gewesen sein. Dieser Wert würde meines Erachtens nicht den aufwendigen Bau einer Elbbrücke rechtfertigen. Leider kann ich keine knkreten Zahlen oder Quellen liefern, da ich es lediglich aus der Erinnerung wiedergeben kann.


    Gruß,
    THW KIel

  • Mich würde mal interessieren, wieviel Einwohner in diesem Ortsteil eigentlich wohnen, insbesondere in Neu-

    Bleckede

    . Wenn man mit der Fähre rüberfährt, stehen dort doch nur 2 Häuser (wenn ich mich recht erinnere) und die nächsten Häuser an der Straße gehören doch schon zu Neu-Wendischthun, oder?


    Auf der Homepage der

    Stadt Bleckede

    habe ich nichts dazu gefunden, vielleicht wisst ihr ja etwas.


    Gruß
    Kira

    • Offizieller Beitrag

    Ganz genaue Zahlen kann ich leider auch nicht beisteuern. Aus dem Wahlvorstand ist mir bekannt, daß 100 Wahlberchtigte sein müssen, um ein eigenes Wahllokal zu eröffnen. Soweit ich es dunkel in Erinnerung habe, leben in

    Bleckede

    -Wendischthun (also in Neu

    Bleckede

    und Neu Wendischthun zusammen) etwa 65 Menschen mit Hauptwohnsitz.


    Zu Neu

    Bleckede

    gehören mehr als zwei Häuser. Neben den beiden Häusern in der Nähe des Wachturmes gehören dazu noch ein paar Häuser am Heerweg sowie am sogenannten Schwarzen Wasser. Am besten ersehen läßt es sich, wenn man sich eine Übersichtskarte mit der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern für unseren Bereich zur Hand nimmt. Alle zugehörigen Häuser liegen etwas zerstreut.


    Zur besseren Orientierung habe ich mal eine Karte dazu angehängt. Es ist rechtselbisch der gesamte Ortsteil

    Bleckede

    -Wendischthun zu sehen. Die dicke, violette Linie ist die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern und zugleich die Stadgrenze von

    Bleckede

    . Die gestrichelte Linie rechts ist die Gemeindegrenze zwischen der

    Stadt Bleckede

    und der Einheitsgemeinde Amt Neuhaus. Leider geht aus dieser Karte nicht klar hervor, wo die Grenze zwischen Neu

    Bleckede

    und Neu Wendischthun ist und wo genau sich Häuser befinden. Auf jeden Fall kann die Karte die Größe der rechtselbischen Fläche Bleckedes darstellen.


    Als Quellenangabe gilt für die Karte die Internetseite stadtplandienst.de.


    Gruß,
    THW Kiel