Jürgen Bostelmann

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      Jürgen Bostelmann

      Zeitpunkt:

      geboren 1940 in Bleckede

      von 1985 bis 1997 Vorstandsvorsitzender der Grundkreditbank eG, Berlin (GKB)

      Quelle für den nachfolgenden Text: "Erfolg ist kein Zufall" von Jürgen Scheuermann u.a., Berlin 1995, Edition Pavel Sticha

      Jürgen Bostelmann
      weiß, daß es schiwerig ist, morgens um 06.15 Uhr einen adäquaten Tennispartner zu finden. Aber er wäre falsch auf seinem Posten, wenn er schon bei einem so lächerlichen Problem scheiterte. Die Stunde zwischen halb sieben und halb acht ist schließlich die einzige, zu der sich die Ertüchtigung im Berliner Eliteclub Blau-Weiß noch in den Terminplan des Bankers hineinquetschen läßt - "und am Ende sind immer alle froh gewesen, daß ich sie überzeugt habe", erzählt er.

      Ja, Menschen motivieren und begeistern, das könne Bostelmann wirklich außerordentlich gut, er habe so eine ruhige, präzise Art, behauptet auch sein Pressesprecher. Und es stimmt: Nachdem man zehn Minuten mit dem Vorstandsvorsitzenden der Grundkreditbank geredet hat, möchte man ihm ruhigen Gewissens sein Geld anvertrauen, so diszipliniert und kompetent wirkt er. Mit kleineren Beträgen allerdings geben sich weder Jürgen Bostelmann noch seine rund 1.000 Mitarbeiter im GKB-Konzern ab; die Genossenschaftsbank wendet sich eher an die "vermögende Privatkundschaft ab 80.000 DM Jahreseinkommen."

      Bostelmann, 1940 geboren, steht seit dem Sommer 1985 an der Spitze der GKB. Was sein eigenes Einkommen und das seiner Führungskräfte angeht, hat er eine Art Selbstbestrafungssysten für den Fall schwacher Leistungen eingeführt: Stärker noch als branchenüblich, sind die Gehälter der GKB-Manager vom Erfolg der Bank abhängig. Doch wer sich die Wurst freiwillig ein Stück höher hängt, macht das vor allem, weil er Spaß daran hat, sich nach ihr zu strecken: Bostelmann verbringt jeden Tag "mindestens zwölf Stunden" in seinem Büro, von dem der Blick direkt auf die Löwenkäfige des Berliner Zoos geht oder ist für die Bank unterwegs. Das weithin sichtbare Geschäftshaus gleicht im Innern einem Museum; Bostelmann hatte lange vor der Wiedervereinigung begonnen, bedeutende Maler der früheren DDR zu sammeln. Entstanden ist eine im Westen einzigartige Sammlung und wichtige Kunden werden bis heute unter Originalen von Tübke oder Mattheuer empfangen. Vielleicht war es der Hang zum Außergewöhnlichen, der diese Affinität produzierte, vielleicht aber auch Bostelmanns Kindheit an der, wie er sagt "Zonengrenze". In einem Elbestädchen am Rande der Lüneburger Heide führten die Eltern eine Bäckerei und in der Nachkreigszeit teilten sie ihr Häuschen mit gleich drei zwangseingewiesenen Flüchtlingsfamilien.

      Von Anfang an hatte Jürgen, ältester Sohn, das Bestreben, "lieber etwas eigenes aufzubauen". Mitten im Wirtschaftswunder erwachte in ihm jene ehrgeizige Mischung aus Fleiß und Wissensdurst, die ihn nie wieder verließ und die er auch heute an jungen Menschen schätzt. Noch während der Banklehre folgte das Abi auf der Abendschule, dann ein BWL-Studium "nebenbei", das heißt in Nächten und an Wochenenden, und immer konzentrierte Arbeit, die für sich selbst sprach - mit 26 Jahren war der Bäckersohn bereits Vorstand der Volksbank Nörten-Northeim. Möglich war das nur, weil er - heute eher selten - in diesem Alter trotz akademischer Ausbildung schon zehn Jahre praktische Berufserfahrung hinter sich hatte.

      Wie viele andere mit einer glänzenden Karriere hat auch Bostelmann seinen privaten Preis für den Erfolg zahlen müssen; in seiner zweiten Familie nun sind ihm deshalb zumindest der gemeinsame Sonntag ("da muß man ganz konsequent sein") und das tägliche Frühstück mit der kleinen Tochter heilig.