Franz Puttfarken

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      Franz Puttfarken

      Zeitpunkt:

      Franz Heinrich Wilhelm Puttfarken

      geboren am 30. Juli 1879 in Stiepelse bei Bleckede
      verstorben am 16. November 1936 in Hamburg

      Lebenslauf in tabellarischer Form
      1908 - Gerichtsassessor in Hannover
      1912 - Amtsrichter in Heydekrug, Memelgebiet
      1914 / 1915 Kriegsdienst im 1. Weltkrieg. Nach Verwundung wieder Amtsrichter in Heydekrug
      1920 - Als "Reichsdeutscher" Ausweisung aus Litauen durch französische Besatzungsbehörde
      1920 - Richter am Landgericht Lüneburg und Vorsitzender einer Strafkammer
      1925 / 1929 Abgeordneter im Hannoverschen Provinzial-Landtag für die Deutsche Volkspartei
      1928 / 1933 Mitglied im Republikanischen Richterbund
      1930 - Landgerichtspräsident in Lüneburg.
      In dieser Zeit mehrere Prozesse gegen nationalsozialistische Schlägertruppen wegen Tötungsdelikten. Nach Morddrohungen wurde er unter Polizeischutz gestellt.
      11. September 1933 - Entlassung durch die nationalsozialistischen Machthaber auf Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" mit gekürzten Versorgungsbezügen.

      Quelle: OLG Celle
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      Auszug aus einer Rede des Staatssekretärs im Niedersächsischen Justizministerium Dr. Rainer Litten anläßlich der Eröffnung der Wanderausstellung "Justiz im Nationalsozialismus - Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes" am 08. November 2001 im Landgericht Göttingen

      Der historische Befund zeigt, daß der demokratische Neuanfang von 1918 mit einer überwiegend kaisertreuen, konservativen Beamten- und Richterschaft belastet war. Nur rund 300 der mehr als 10.000 Richter des Jahres 1933 waren Mitglied des republikanischen Richterbundes, sagten deutlich "Ja" zu den Prinzipien des neuen Staates. Die Mehrzahl ihrer Kollegen standen ihm skeptisch bis ablehnend gegenüber.

      Die Justiz war auf dem rechten Auge blind. So erhob der Heidelberger Statistiker Emil Julius Gumbel für die Jahre 1919 bis 1922, wie politische Morde geahndet wurden: 22 politische Morde von links wurden mit 10 Todesurteilen und drei lebenslänglichen Zuchthausstrafen und rund 250 Jahren Freiheitsentzug geahndet. Für 354 politische Morde von rechts, also mehr als das fünfzehnfache, wurden lediglich einmal "Lebenslänglich" und 90 Jahre Haft verhängt.

      Zu denen, die anders handelten, gehörte Franz Heinrich Wilhelm Puttfarken. Seit 1930 Direktor des Landgerichts Lüneburg, leitete er mehrere Prozesse gegen nationalsozialistische Schlägertruppen wegen Tötungsdelikten und stand nach Morddrohungen unter Polizeischutz. Diese Leute wurden vor 1933 von vielen Kollegen gemobbt und nach 1933 verfolgt. "Puttfarken ist, wie er selbst angibt, von 1928 bis 1933 Mitglied des Repulikanischen Richterbundes gewesen", schreibt Adolf von Garßen, Präsident des OLG Celle und dienstältester OLG-Präsident (1932 bis 1945) der NS-Justiz, im Juni 1933 an den Preußischen Justizminister. "Er hat sich also dieser zersetzenden und staatsfeindlichen Vereinigung angeschlossen, obwohl er gleichzeitig Mitglied, ja eine führende Persönlichkeit, der Deutschen Volkspartei in Lüneburg war. Dazu kommt", fährt von Garßen fort, "daß er diesen bedenklichen Schritt inbesondere vor seinen Parteifreunden geheimgehalten hat." Und er schließt, "daß Puttfarken besonders in Lüneburg durch sein Verhalten das Vertrauen der Richterschaft, der übrigen Beamtenschaft und der rechtsuchenden Bevölkerung verloren hat."