Spar- und Darlehnskasse, Volksbank - eine besondere Form der Fusionitis

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      Spar- und Darlehnskasse, Volksbank - eine besondere Form der Fusionitis

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      Der gestrigen Ausgabe der Landeszeitung war zu entnehmen, daß im Hause der Volksbank mal wieder eine Fusion ansteht. Als hätten wir davon noch nicht genug gehabt. Alles muß immer größer und damit angeblich immer wirtschaftlicher und konkurrenzfähiger werden. Daß mit zunehmender Größe auch die Übersicht verloren geht, ist ein anderes Problem. Ebenso ist es ein Problem, daß die Gehälter der Führungsetage heute in der Regel an den Umsatz und / oder den Gewinn gekoppelt sind. Schon allein deswegen besteht für diese Leute ein Interesse, immer neue Elefantenhochzeiten einzugehen.

      Wer kann sich heute noch an die Spar- und Darlehnskasse Bleckede erinnern? Mit diesem Institut begann einst die Geschichte genossenschaftlicher Banken in Bleckede im Geschäftshaus des Kaufmanns Fritz Lohmann im Flecken. Das war am 06. September 1921 und ist schon fast 90 Jahre her. Die Spar- und Darlehnskasse Bleckede ist aber zugleich auch die Bank, die von allen bisherigen am längsten Bestand hatte. Ab Mitte der 1950er Jahre gab es mit der Filiale der Volksbank Lüneburg zwar eine weitere genossenschaftliche Bank in Bleckede. Dem Fortbestand und der Beliebtheit der Spar- und Darlehnskasse tat das aber keinen Abbruch. Mitte der 1980er Jahre begann dann die bis heute anhaltende Welle der Verschmelzungen, Zusammenschlüsse und Fusionen. Es erfolgte ein Rückzug der Volksbank Lüneburg aus Bleckede. Zeitgleich wurde die Spar- und Darlehnskasse Bleckede umbenannt in Volksbank Bleckede. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, daß es früher oder später einen Zusammenschluß mit der Spar- und Darlehnskasse Dahlenburg geben würde.

      Im Jahre 1990 wurde dann die Volksbank Bleckede mit der Spar- und Darlehnskasse Dahlenburg zur Volksbank Bleckede-Dahlenburg fusioniert. Gleichzeitig wurden noch einige ehemalige Genossenschaftsbanken aus der alten DDR aufgenommen. Damals warb man damit, die erste Genossenschaft mit "gesamtdeutschen Wurzeln" aus der Taufe gehoben zu haben. Dieses gesamtdeutsche Institut hatte dann immerhin etwa 10 Jahre Bestand. Der Sitz befand sich fortan in Dahlenburg.

      Im Jahre 2001 ging es mit der Volksbank Bleckede-Dahlenburg leider in kürzester Zeit rapide abwärts. Es wurde bekannt, daß bei zahlreichen Kreditverträgen Sicherheiten unzureichend bewertet wurden und daß der wirtschaftlichen Entwicklung nicht hinreichend Rechnung getragen wurde. Der Aufsichtsrat um den damaligen Vorsitzenden Karl-Heiz Hoppe hatte sich die Sache zu lange angesehen, denn die Bank befand sich zu dieser Zeit bereits in einer schweren Krise. Der damalige Schaden wurde auf knapp 20.000.000 DM beziffert und man konnte nur noch die Notbremse ziehen. Der Fortbestand wurde gesichert durch eine Bürgschaft des Genossenschaftsverbandes Berlin-Hannover (GVBH). Allerdings war die Bank damit schwer angeschlagen und ein Sanierungsfall.

      Als Folge dieser Fehlentwicklung erfolgte dann Anfang 2003 die Fusion mit der Volksbank Lüneburg zu neuen Volksbank Lüneburg. Man kann es auch so ausdrücken, daß die Volksbank Lüneburg den Sanierungsfall Volksbank Bleckede-Dahlenburg damals übernommen hat. Immerhin gelang es hierdurch, alles wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen.

      Die nächste Fusion ließ aber auch nicht lange auf sich warten. Im jahre 2008 war es soweit. Die Volksbank Lüneburg wurde mit der in Soltau ansässigen Volksbank Lüneburger Heide zur neuen Volksbank Lüneburger Heide verschmolzen. Der Sitz des neuen Institut wurde dabei Lüneburg.

      Und nun lesen wir in der LZ, daß Anfang 2011 dann schon wieder eine Fusion ins Haus steht. Dieses ist dann ausgehend von der ursprünglichen Spar- und Darlehnskasse Bleckede aus dem Jahr 1921 die immerhin 5. bzw. 6. Namensänderung bzw. Fusion. Dieses Mal soll es die Fusion mit der Volksbank Nordheide zur neuen Volksbank Lüneburger Heide sein. Der Sitz soll zukünftig Winsen an der Luhe werden.

      Ich bin gespannt, wann dann die nächste Fusion ansteht. Seit der ersten Änderung Mitte der 1980er Jahre ist zu beobachten, daß das Tempo der Fusionen und Zusammenschlüsse immer weiter zugenommen hat.

      Gruß,
      THW Kiel

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