37 Zeugen jüdischen Lebens

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      37 Zeugen jüdischen Lebens

      Zeitpunkt:

      In der gestrigen Ausgabe der LZ war ein Bericht über die aus Bleckede stammenden Juden, den Judenfriedhof und den neu errichteten Wegweiser zum Judenfriedhof. Ich habe diesen Bericht bewußt hier unter "Menschen aus Bleckede" eingestellt, da es im Kern um aus Bleckede stammende Menschen geht.

      LZ-LZG_23_10_2010-011.pdf (klick)
      Quellenangabe für den Bericht: Landeszeitung für die Lüneburger Heide, Lüneburg, Ausgabe Nr. 248 vom 23.10.2010, S. 11

      Ergänzende Informationen gibt es hier im Forum auch unter

      Informationen zum Judenfriedhof in Bleckede (klick)

      sowie unter

      Ein Denkmal für die ermordeten Juden in Bleckede (klick)

      Ferner ist hinzuweisen auf die Internetseite Juden in Bleckede (klick). Hier finden sich weitere detaillierte Informationen zu Bleckeder Juden, die in Nazideutschland ums Leben gekommen sind.

      Gruß,
      THW Kiel

      Es ist ja richtig und gut

      Zeitpunkt:

      wenn immer wieder an das Schicksal der ermordeten Juden durch Nazideutschland ereinnert wird. Aber sind wir doch mal ehrlich -
      was ist mit der Ermordung der Sinti und Roma,
      was ist mit der Ermordung "unwerten" Lebens (geistig behinderte Erwachsene und Kinder),
      was ist mit den vielen Menschen, die bei sogenannten "medizinischen Experimenten" grausam gequält und dann getötet wurden?
      Und diese Liste der Greueltaten ist sicher noch nicht vollständig, aber über diese Opfer wird nur sehr selten gesprochen - ja, es soll sogar noch "Überlebende" geben, die bis heute um ihre Anerkennung als Opfer der Nazis kämpfen müssen.
      Wir Deutschen haben uns damals sehr an den Menschen versündigt - die, die es unmittelbar, aktiv, gern oder weniger gern, getan haben; aber ebenso auch die, die davon wußten und still geblieben sind. Vielleicht wäre die Geschichte anders verlaufen, wenn sich, so wie 1989 in der DDR, zigtausende Menschen gegen das Regime aufgelehnt hätten.
      Aber ich will auch gerecht sein - es gab noch nicht diese Möglichkeiten der Kommunikation untereinander und es gab einen Zeitgeist, in den dieses Verhalten paßte. Und wir wollen auch nicht vergessen, dass "ethnische Säuberungen" vor dieser Zeit, während dieser Zeit und bis heute in vielen Teilen der Welt ausgeübt wurden und werden und sie waren und sind dort genauso grausam und unbarmherzig, wie damals - jedes einzelne Opfer ist eines zuviel!
      Dass mußte ich mal los werden.

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      Es grüßt[IMG:wcf/images/smilies/ok.gif] bleckMan

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von bleckMan () aus folgendem Grund: grammatische Bearbeitung

      Moin,
      Danke an THW, der den Bericht hier eingestellt hat. Ach ja, die Zeit des Nationalsozialismus sollte nun bei dem Bericht in der LZ nicht im Vordergrund stehen. Der letzte jüdische Mitbürger wurde 1935 auf dem Friedhof beigesetzt und wurde nicht ermordet.
      Es ging in dem Artikel eigentlich um etwas ganz anderes. Nach jüdischem Gesetz gilt die Totenruhe bis zur Ewigkeit. Weiterhin ist es für Juden wichtig die Erinnerung an den "Namen" wach zu halten und zu bewahren. Dadurch haben wir in Bleckede ein ganz besonderes Kulturgut mit dessen Hilfe wir wie durch ein Fenster in die Vergangenheit schauen können. In alten Akten sind die Wohnorte, Berufe und teilweise der Werdegang einzelner Personen und ganzer Familien verzeichnet. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit Rückschlüsse auf das allgemeine Leben in Bleckede vor 250 Jahren zu ziehen. Das hat sehr wenig mit Nationalsozialismus aber sehr viel mit Kultur zu tun. Wenn es schon um nationalsozialistische Schändung des Friedhofes geht, dann ist auch hier die Situation nicht so einfach...
      Also, wie oben schon geschrieben gilt die Totenruhe auf einem jüdischen Friedhof ewig. 1944 wurden in Bleckede zwei Männer und zwei Frauen auf dem jüdischen Friedhof begraben. Die vier waren russische Kriegsgefangene bzw. Zwangsarbeiterinnen. Damit, dass diese Menschen dort begraben wurden beging man eine Friedhofs-Schändung. Nun können auch die sterblichen Überreste dieser Menschen nicht vom jüdischen Friedhof ohne eine erneute Störung der Totenruhe entfernt werden. Hier liegt die wirkliche Schändung. Nach Auskunft eines Vertreters des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen wird es nicht zu einer erneuten Störung der Totenruhe kommen und die Gräber der vier russischen Gefangenen bleiben auf dem jüdischen Friedhof in Bleckede bestehen. (Auch das ist keine Neuigkeit, da der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen diese Haltung schon gleich nach Kriegsende eingenommen hat.)
      So weit dazu

      Gruß
      Grubert
      Augen auf und durch!
      Vielen Dank für den Bericht und die Hinweise dazu.

      Gelesen habe ich ihn in der LZ ganz ähnlich wie bleckman. Auch mich hat die immer und immer wiederkehrende Schuldgeschichte etwas irritiert. Wenn eigentlich etwas anderes damit bezweckt gewesen ist, dann ist es den Schreibern des Berichtes nicht gelungen, dieses hervorzuheben. In dieser Form der Berichterstattung kann ich mich dem bleckman leider nur anschliessen und fragen, wer an die anderen Opfer der Naziherrschaft in Deutschland denkt.

      Es hinterlässt einen faden Beigeschmack, wenn dauerhaft mit dem Thema Juden immer nur eines der vielen Themen des Unrechts herausgepickt wird. Unrecht hat es auf vielen Ebenen gegeben und jedes einzelne Opfer ist eines zuviel, wie bleckman es treffend ausgedrückt hat.

      Im übrigen sollte sich die Frage stellen, welchen Sinn ein auf die Opfer der Naziherrschaft beschränktes Denkmal macht, wenn es nach der Aussage von Grubert um das jüdische Leben insgesamt geht. Dieses dann in Form eines Denkmals auf die Opfer der Naziherrschaaft zu reduzieren dürfte der falsche Ansatz für einen ehrlichen und sachlichen Aufarbeitungsversuch der gesamten Thematik sein.

      Gruß aus Wendewisch,
      Löwensenf
      Moin,
      auch im Artikel geht es um mehrere unterschiedliche Stränge. Aber besser der Reihe nach. Zur 800 Jahr-Feier hatte sich in Bleckede eine Arbeitsgruppe "Geschichte" gebildet. Neben dieser Arbeitsgruppe etablierte sich auch eine Arbeitsgruppe "Geschichte der Juden in Bleckede".
      Ein Ergebnis aus dieser Arbeitsgruppe war die Aufstellung des Denkmals für die während des Zeit Nationalsozialismus verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger aus Bleckede.
      Ein weiteres Ziel war die umfassende Aufarbeitung der Geschichte jüdischer Bürger in Bleckede. Hierzu haben wir uns jetzt als Arbeitsgruppe mit Leuten aus Hitzacker zusammen getan um dieses Thema über die jeweiligen Ortsgrenzen hinaus zu bearbeiten.
      Das Thema lautet jetzt: Geschichte des jüdischen Lebens an der Elbe. Wir sind hier noch ganz am Anfang, aber die Sache ist doch recht spannend. Betrachtet man einfach mal ein paar Zahlen, so fällt auf, das im Königreich Hannover die durchschnittliche Zahl der angesiedelten Juden bei ca. 0,2% der Gesamtbevölkerung lag. In Bleckede waren es 1850 6%, warum??
      Die meisten Juden waren gegen 1910 schon wieder aus Bleckede verzogen warum und wohin??
      Das sind fragen die mich dabei interessieren. Für mich von vornherein nachvollziehbar ist die Ablehnung und argwöhnische Beobachtung dieser zugezogenen "Bürger auf Zeit". Ich bin sehr gespannt auf welche Spuren wir dabei stoßen werden.
      Gruß
      Grubert
      Augen auf und durch!
      @ Grubert: Kann es sein, das es sich bei der jüdischen Bevölkerung vorwiegend um Kaufleute und Handwerker handelte? Würde im Königreich Hannover, bei einer überwiegend ländlichen Bevölkerung bedeuten, das diese überwiegend in den größeren Ortschaften/Städten gewohnt hätten. Man müßte doch auch herausfinden können, was in den Bleckeder Gemeinden um 1900 passiert ist? Wie hoch war die Bevölkerungszahl, wie hoc h die Anzahl der jüdischen Bevölkerung?

      Keine Frage!

      Zeitpunkt:

      Ich anerkenne das Bemühen um eine historische Recherche zu Bevölkerungsfragen. Wie von Löwensenf gesagt, hatte ich aus dem LZ-Artikel einen etwas anderen Tenor entnommen.
      Aber in dem Zusammenhang fände ich es genau so spannend, Feststellungen zur heutigen Bevölkerungsstruktur zu machen. Nicht nur die Frage nach den altersbedingten Veränderungen, sondern ebenso die Veränderungen durch Zuzug nach dem 2. Weltkrieg bis heute. Allein durch die Ansiedlung der Vertriebenen sind ja ganze Straßen, in größeren Städten sogar Siedlungen entstanden. Aber auch der Zuzug durch die politischen Umwälzungen der letzten 30 Jahre hat die Zusammensetzung der Bevölkerung verändert. Und natürlich wäre es auch interessant, wie sich der Mangel an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für die Region auswirkt. Wenn hierzu zumindestens Zahlen ermittelt würden, hätten es spätere Generationen leichter, sich ein Bild zu verschaffen.

      [IMG:wcf/images/smilies/ok.gif] bleckMan
      Es grüßt[IMG:wcf/images/smilies/ok.gif] bleckMan
      Das jüdische Volk hat in seiner gesamten Geschichte immer wieder Verfolgung und Vertreibung erdulden müssen. Wenn ich mich recht erinnere, gab es im Zweiten Deutschen Kaiserreich, diverse Auflagen für jüdische Mitbürger. Sobald die politische Lage stabil waren, liessen sie Juden nieder, und wenn es instabil wurde, zogen die Meisten weiter oder ein anderes Schicksal wurde ihnen zuteil.

      Viele Grüße,
      Nabila

      ***

      „Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich.“
      Konrad Adenauer
      Die Hochzeit des jüdischen Lebens dürfte in Bleckede etwa in der Zeit zwischen 1850 und 1860 gelegen haben. Es ist bekannt, daß in Bleckede im Jahre 1806 insgesamt 56 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger gelebt haben. Leider ist die Zahl der Einwohner nicht bekannt, sodaß es nicht möglich ist, diese Zahl ins Verhältnis zu setzen.

      Im Jahre 1861 hatte Bleckede dagegen 771 Einwohner, von denen 51 jüdisch waren. Das macht einen Anteil von immerhin 6,61 % der Gesamtbevölkerung aus. Eine sehr beachtliche Zahl, wenn wir von der genannten Größe von 0,2 % ausgehen. Derart hohe Anteile hat es sonst in der damaligen Zeit eher typisch in Großstädten gegeben. Daher kann dieses für einen kleineren Ort wie Bleckede durchaus als Besonderheit gelten.

      Zehn Jahre später, im Jahre 1871 war das alles aber scheinbar schon wieder vorbei. Auf 739 Einwohner kamen jetzt nur noch 25 jüdische Einwohner. Die Zahl hat sich binnen zehn Jahren von 51 auf 25 halbiert oder der Anteil ist von 6,61 % auf 3,38 % gesunken, was ausgehend von der Größe 0,2 % eigentlich noch immer eine bemerkenswerte Größe ist.

      In der Folgezeit ist der Anteil dann stetig rückläufig gewesen.

      Interessant dürften die Hintergünde, die zu dieser relativen Häufung jüdischer Mitbürger in Bleckede geführt haben, sein. Ich könnte mir als Ursache auch die Erwartung einer bestimmten wirtschaftlichen Entwicklung vorstellen. Auch der Aspekt, den Nabila genannt hat, könnte eine Ursache sein. Denn am 28.06.1866 fand die Schlacht bei Langensalze statt. Infolge dieser Schlacht unterlag Hannover gegen Preußen und wurde annektiert. Die politischen Verhältnisse dürften in der damaligen Zeit als eher undurchsichtig betrachtet werden zumal sich im Ergebnis der Annektiierung einiges geändert hat im Königreich Hannover. Es könnte also durchaus sein, daß die Leute daraufhin Bleckede verlassen haben, zumal auch die Gesamtzahl der Einwohner von 1861 bis 1871 von 771 auf 739 leicht abgenommen hat. Sicher sein dürfte zudem, daß einige jüdische Mitbürger zumeist nach Amerika ausgewandert sind. Dahin jedenfalls führen diverse Spuren. Auch das kann mit den oben geschilderten Ereignissen zusammenhängen.

      Gruß,
      THW Kiel
      In einem möglichen Zusammenhang zum Siebzigerkrieg habe ich die Thematik bisher nicht gesehen. Vor dem Hintergrund, daß dieser Krieg in den Jahren 1870/71 stattfand, wäre es theorteisch durchaus möglich, einen Zusammenhang herzustellen. Allerdings habe ich Zweifel daran, ob sich allein daraus eine Halbierung der Anzahl der jüdischen Mitbürger im Vergelich zu 1861 erklären ließe.

      Wahrscheinlicher ist der Gedankengang von Nobbes, nachdem es sich um größere Familien gehandelt haben könnte, die Bleckede den Rücken gekehrt haben. In den meisten Familen gab es in der damaligen Zeit deutlich mehr Kinder als es heute der Fall ist. Das hat sicher auch für jüdische Familien gegolten.

      Gruß,
      THW Kiel
      Wir Deutschen haben uns damals sehr an den Menschen versündigt


      Hier sollte auch einmal ein Umdenken stattfinden. Ich habe mich nicht versuendigt, sondern wenn die Leute, die an diesem "Spaß" beteiligt waren. Und ich sehe es auch wie du, nicht nur die Menschen juedischen Glaubens waren betroffen, sondern auch Menschen, die auf Grund von Behinderungen/ politischen und sozialen Einstellungen oder Vergehen missbraucht und/ oder ermordet wurden. Auch die Leute, die in den Krieg gezogen sind, haben ein Recht auf Anerkennung. Denn der Großteil wird sicherlich nicht freiwillig an der Front gekaempft haben, um sich abknallen zu lassen. (Auf jeden Fall wird selbst denen, die Dank Propaganda etc. freiwillig an die Front geflitzt sind, die andere Seite der Medaillie zu Gesicht gekommen sein)

      Was mir extrem auffaellt ist, das selbst ich heute noch gebrandmarkt bin fuer etwas, was ich nicht getan habe und auch niemals tun wuerde. Da ich mich haeuffig im Internet bewege kommt es sogar zu Faellen, wo ich wenn ich meine Deutsche Herkunft preisgebe, sofort als Nazi beschimpft werde. (Irak, Nigeria) Bei einigen Unreal-Tournament-Servern hatte ich das "Vergnuegen" ebenfalls. Auch unsere Gesellschaft ist immer noch wie gelaehmt, wenn es um dieses heikle Thema geht. Ich kann mich noch gut an das Thema "Abschiebung" usw. erinnern.
      Vertrauen sie mir... Ich weiß was ich tue!
      FfFCMAD hat das Problem recht gut eingegrenzt. Niemand wird die Greueltaten der Naziherrschaft in Frage stellen wollen. Trotzdem sollte auch hier endlich ein Umdenken stattfinden. Das gesamte deutsche Volk trägt bis in die heutige Zeit ebenso wenig die Schuld an der Judenverfolgung wie es richtig sein kann, sich immer nur auf dieses eine Thema zu stürzen. Auch hier im Forum wurde schon mehrfach angedeutet wie viele Opfer es auch in anderen von den Nationalsozialisten "ungeliebten" Bereichen gegeben hat.

      Grundsätzlich ist eine Dokumentation sicher sinnvoll. Diese setzt aber eine sachliche Auseinandersetzung auf Augenhöhe voraus. Von einer Augenhöhe kann nur dann eine Rede sein, wenn das Thema nicht jedes Mal durch die Schulddiskussion geleitet und beherrscht wird.

      Der Udel
      @THW Kiel:
      Meine Bemerkung zu der Abnahme der Bevölkerung war auch nicht auf die Juden direkt bezogen sondern allgemein auf die etwas veränderte Einwohnerzahl Bleckedes um 1871.
      Ich habe aber mal wieder in meine schlauen Bücher geschaut und bin auch fündig geworden.
      Zu der allgemeinen Sachlage derJuden ist zu sagen, dass es Antisemitismus nicht erst ab 1933 gegeben hat sondern bereits Jahrhunderte zuvor. Juden waren immer Einschränkungen unterworfen. Dazu ein Zitat aus dem Buch: "Leben Sie?" Die Geschichte der Deutsch-Jüdischen (u.a. Lüneburger) Familie Jacobsohn (Marburg 2000).

      Es kann festgehalten werden, daß der Emanzipationsprozeß während der Jahre 1840 - 1870 für die Lüneburger Juden - wie für die Juden überhaupt - durchaus erfolgreich verlaufen ist. Dies gilt, insofern ihre wirtschaftlichen Erfolge und ihre durch die Verfassung von 1871 garantierte rechtliche Gleichstellung die Bewertungskriterien bilden. Doch die alten judenfeindlichen Ressentiments begleiteten nicht allein den Emanzipationsprozeß, sie verstummten auch nach 1871 nicht. Man fand sie weiterhin in allen sozialen Schichten.

      Dieses als Quelle für die Zeiteinteilung der Emanzipation der Juden. Speziell über die Bleckeder Juden in diesem Zeitraum wird dann in dem Buch: "Jüdische Familien in Lüneburg" (Sibylle Bollgöhn, Geschichtswerkstatt Lüneburg e.V. 1995) berichtet:

      Frei zitiert: Die Bleckeder Juden wollten eine neue Synagoge bauen, Vermögen war da und bislang hatte man Räume der Familie Löwenstein angemietet. Doch der Plan wurde nicht umgesetzt weil die Gemeinde zu klein wurde.

      Gründe (Zitat):

      Das Maschinenzeitalter, die moderne Industrie führte in den ländlichen Regionen zu neuen Entwicklungen. Allgemein war Ende des 19. Jahrhunderts eine Abwanderung der jüngeren Generation vom Dorf in die Stadt festzustellen (Landflucht), auch wanderten viele Menschen aus, z.B. nach Amerika. Die neuen Eisenbahnen machten die Menschen mobiler, Handelswaren konnten schneller und einfacher transportiert werden. Große Städte wurden attraktiv, denn hier boten die neuen Fabriken Arbeitsplätze.
      Zum Ausbluten jüdischer Gemeinden im ländlichen Bereich trugen weitere Gründe bei:
      Durch die Aufhebung des Schutzjudentums war es jüdischen Familien erstmals möglich, sich überall niederzulassen, Zuzugsbeschränkungen entfielen. Juden besassen auf dem Land keine Bauerngüter, die über Generationen vererbt worden, und da sie durch ihren Rechtsstatus als "Schutzjuden" von Zünften und Gilden ausgeschlossen waren, hatten sie auch im Handwerk keine Verankerung.
      Die moderne Stadt bot ihnen, die immer auf Handel und Geldwirtschaft beschränkt waren, viele Chancen.

      Ich denke, dass ist eine plausible Erklärung für die Abwanderung im 19. Jahrhundert.

      Gruß nach Bleckede
      Rainer
      @ Rainer: Vielen Dank für die Zeit, die Mühe und die Erläuterungen. Diese lassen die Frage in einem recht plausiblen Licht erscheinen. Hinsichtlich der Anmerkung zur Folge des Siebzigerkrieges hatte ich Dich zuvor tatsächlich falsch vestanden. Interessant wäre jetzt noch, ob sich diese Strömungen für Bleckede konkret belegen lassen. Mit "konkret" meine ich, ob es gelingt, einen Einzelfall (z.B. eine spezielle Familie) zu finden, anhand dessen man die Ereignisse gezielt dokumentieren könnte.

      Gruß,
      THW Kiel