Ernst Tipke † 8. November 2010

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      Mein Vater

      Zeitpunkt:

      Liebe Bleckeder, Freunde und Bekannte von Ernst Tipke, meinem Vater,

      es ist sehr schön zu lesen, dass auch in diesem Medium,
      das mein Vater ja trotz seines Alters und seiner Liebe zur guten alten Schreibmaschine noch erlernt hat,
      viele Menschen uns ihr Beileid ausdrücken.

      Ich spreche nun mal für mich und auch im Namen meiner Familie,
      die sich hier wohl nicht alle einzeln melden werden.

      "Viel zu früh" - "noch so "jung"" - "noch so viel vor" -
      das ist der Tenor in manchen Briefen und Mails, die wir bekamen,
      ja, er hatte immer noch Pläne, Ideen, stand mitten im Leben.
      Trotzdem es ihm schon eine ganze Weile schlecht ging,
      hat er sich durch seine neuen Aktivitäten wie die Bücherstube mit Artothek immer wieder noch Träume erfüllt,
      Weiteres geplant und war sicher auch dadurch und dafür jeden Tag seines Lebens wieder auf den Beinen
      und hat nach außen nicht gezeigt wie schwer ihm Manches schon fiel.

      Wie sehr er uns und allen anderen fehlen wird,
      werden wir wohl erst im Laufe der Zeit wirklich begreifen,
      die Lücke ist schon da und dass ich mit seiner Enkelin nun nicht mehr direkt zu ihm fahren kann,
      sondern wir nur noch sein Grab und meine Mutter besuchen können,
      macht uns immer wieder neu traurig.

      Trotzdem war in der Betriebsamkeit der letzten 10 Tage kaum Platz für ein wirkliches "Verstehen" des Verlustes.

      Es waren so viele Menschen einfach da, haben uns Kuchen oder Salate gebracht,
      weil wir sonst wohl manchmal das Essen vergessen hätten
      und haben zugehört, wenn wir über ihn gesprochen haben.

      Wir denken, dass die Trauerfeier ihm würdig war und ihm sehr gerecht geworden ist.
      Er hätte trotzdem wohl nicht erwartet, dass er einmal die Polizei (noch dazu in ihrer Freizeit!!) auf den Plan rufen würde,
      um den Convoi nach Breetze abzusichern.

      Die vielen Anzeigen, Briefe, Besucher der Trauerfeier hätte er lebend nie für sich beansprucht,
      so bescheiden war er sein ganzes Leben lang.
      Uns haben viele damit gezeigt, dass er überall Spuren hinterlassen hat
      und wir nun mit noch mehr Stolz und Dankbarkeit
      auf einen wunderbaren Menschen und sein erfülltes Leben zurückblicken können.

      Vielen Dank allen Anteilnehmenden
      und wenn jemand uns Geschichten über meinen Vater erzählen möchte,
      die wir vielleicht noch nicht kennen
      oder einfach einen Weg sucht mit dem Verlust umzugehen,
      ist uns das herzlich willkommen.
      Sollte es nicht persönlich gehen,
      dann gerne auch hier oder per Mail,
      wir freuen uns darüber.

      Herzliche Grüße,
      flimka (Irina)
      Danke für diesen interessanten wie einfühlsamen Bericht!

      Wir hatten gerade vorgestern das Thema als mein inzwischen 83-jähriger Onkel über den Humor berichtete. Vor einigen Jahren fand mal eine Schiffahrt auf der Elbe statt, an der auch mein Onkel und meine Tante teilgenommen haben. Der Verstorbene ist auf dieser Schiffahrt in die Rolle eines uniformierten ostzonalen Grenzbeamten geschlüpft. Er hat dabei an ziemlich jede Gemeinheit gedacht. Diese dürften ihm von den unzähligen Besuchen und Studienreisen in die Ostzone sehr geläufig gewesen sein. Meinem Onkel kam in diesem kleinen Schaupiel die Rolle des einreisenden Besuchers der Ostzone zu. Er berichtete, daß er ob der vielen anschaulich gespielten und aus heutiger Sicht auch etwas lustig wirkenden Gemeinheiten des Grenzers bald verzweifelt ist. Allen auf dem Schiff anwesenden wurde schnell klar, daß eine Einreise in die Ostzone damals wohl kein Kinderspiel war. So mußte er diverse fast sinnlos wirkende Fragen beantworten und alles, was er mit sich herum trug, auf den Tisch legen. "Richtigen" Ärger gab es dann, als der Verstorbene meinen Onkel nach einer Geldbörse fragte. Er verneinte die Frage, ob er eine dabei hätte. Der Verstorbene tastete ihn darufhin ab und fand die Geldbörse natürlich. Gekonnt und mit viel Erfahrung konnte er allen anwesenden vermitteln, daß es nicht witzig ist, wenn man einen ostzonalen Grenzbeamten nicht genügend ernst (hier im wahrsten Sinne des Wortes) nimmt.

      Die Darstellung machte deutlich, daß es sehr kurzweilig war und wohl alle ihren Spaß an dieser kleinen Aufführung hatten.

      Gruß,
      THW Kiel

      Vielen Dank

      Zeitpunkt:

      flimka für den Mut, sich hier so persönlich einzubringen.
      Auch mir wird mein Freund Ernst fehlen - aber es wäre nicht in seinem Sinn, jetzt zu jammern, sondern er würde sagen: Pack es an, nimm das Schicksal wie es ist und mache das Beste daraus; ergreife die Gelegenheiten, die sich bieten,um die Welt ein kleines bißchen besser zu machen.
      Ernst hat seinen Teil dazu beigetragen - viel mehr als all die Menschen, die sich in Denkmälern oder ähnlichem haben verewigen lassen. Durch Ernst ist diese Welt ein kleines bißchen lebenswerter geworden und ich will mich bemühen, es auch zu tun.
      Es grüßt[IMG:wcf/images/smilies/ok.gif] bleckMan