Firma Lohmann (seit 1860)

  • Mehr als 150 Jahre Firma Lohmann


    Der am 02.02.1838 in Duingen geborene Friedrich Christian Lohmann kam 1858 nach Bleckede. Seine Vorfahren haben sich zu dieser Zeit schon mehr als 200 Jahre mit der Herstellung von Tonwaren in Duingen beschäftigt. Am 01.10.1860 eröffnete Christian Lohmann dann seine Glas-, Porzellan- und Steinguthandlung in Bleckede. In den Anfangsjahren lebte die Familie in Carze. wo Christian Lohmann am 26.12.1961 auch seine Frau heiratete. Es war die dort am 21.07.1841 geborene Sophie Dorothee Elisabeth Schultze.



    Firmengründer Christian Lohmann


    Am 05.08.1866 wurde Johann Heinrich Friedrich Wilhelm Lohmann in Carze geboren. Etwa seit 1875 ist die Familie Lohmann auf dem Grundstück Flecken 71 in Bleckede geschäftsansässig. Die Wohnräume befanden sich aber noch einige Jahre im Hause der Familie Wallmann in der Schloßstraße 17. Am 26.03.1894 heiratete Friedrich Lohmann die am 17.11.1871 in Bleckede geborene Marie Sophie Fridericke, geb. Rehbein. Die beiden hatten fünf Kinder. Die am 30.09.1894 in Bleckede geborene Dorethe Magdalene (verehelichte Muth, verstorben am 16.11.1922 in Hamburg), den am 10.04.1896 in Bleckede geborenen Fritz, die am 27.10.1899 in Bleckede geborene Marie Magdalene Dorothee (verehelichte Benecke, verstorben am 27.02.1977 in Bleckede, die am 26.09.1902 in Bleckede geborene Louise Marie Dorothee (genannt Lieschen, unverehelicht, verstorben am 16.12.1982 im Krankenhaus Lüneburg) und den am 16.07.1905 in Bleckede geborenen Hermann (verstorben am 15.06.1906 in Bleckede).


    Im Jahre 1898 kaufte Friedrich Lohmann das Grundstück Flecken 71 vom Bauern Sepmann aus Breetze. Dem Kauf war ein Streit vorausgegangen. Ursprünglich hatte Bauer Sepmann das Grundstück Friedrich Lohmann per Handschlag zugesagt. Etwas später verkaufte er es dann aber mit Vertrag an die Reichspost. Friedrich Lohmann bestand auf eine Erfüllung seines Vertrages und eine gleichzeitige Rückabwicklung des Vertrages zwischen Bauer Sepmann und der Reichspost. So konnte Friedrich Lohmann das Grundstück im Flecken im 2. Anlauf kaufen während die Reichspost dann später in der Schloßstraße gegenüber vom Schloß das neue Postamt erbaut hat.


    1898/1899 erbaute Friedrich Lohmann dann das bis heute genutzte Wohn- und Geschäftshaus im Flecken Bleckede im Stil der Gründerzeit. Dieses konnte Mitte November 1899 bezogen werden. Bis heute ist erkennbar, daß es sich nicht unbedingt in die Bebauung der Umgebung einfügt. Das hängt damit zusammen, daß Friedrich Lohmann beim Hausbau eine wirtschaftliche Entwicklung für Bleckede gesehen hat, die sich so nie eingestellt hat. Neben dem kontinuierlichen Ausbau der Firma wurde in den Jahren bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges auf die Landwirtschaft als zweites Standbein gesetzt. Im Bereich des Forstbezirks Sandbergen erwarb Friedrich Lohmann im Jahre 1906 ein sechs Morgen großes Waldgrundstück, das er zu einem Obst- und Spargelgarten kultivierte. Die Ernte wurde täglich mit dem Hamburger Dampfer auf der Elbe zum Großmarkt nach Hamburg gebracht und dort verkauft. In der damaligen Zeit waren das sehr lukrative Geschäfte.



    Friedrich Lohmann und seine Ehefrau mit drei ihrer Kinder im Jahre 1908 vor dem Haus Breite Straße 30



    1910, im Jahr des 50. Firmenjubiläums, war Friedrich Lohmann Schützenkönig in Bleckede.


    Die Nutzung der Landwirtschaft sollte sich ändern, als die Reichsmarine ab 1917 damit begann, den Ölhof in Bleckede aufzubauen. Den Grundeigentümern wurde das Land abgekauft. Nur Friedrich Lohmann und Gastwirt Burmester weigerten sich, ihr Land freiwillig abzugeben. Das Ende vom Lied war, daß beide 1918 enteignet wurden. Trotzdem konnte Friedrich Lohmann seine Ländereien später bis mindestens 1930 zurückpachten und seine Landwirtschaft weiterführen. Das frühere Gartengrundstück ist noch heute gut zu finden. Es wird als Übungsplatz für Polizeihunde genutzt. Mit Anlagen des Ölhofes oder Gebäuden wurde es nie bebaut.


    Der Firmengründer Christian Lohmann verstarb am 05.01.1915 in Bleckede. Seine Ehefrau Dorothee verstarb am 22.03.1921 ebenfalls in Bleckede.


    Am 06.09.1921 wurde im Hause der Familie Lohmann die Spar- und Darlehnskasse Bleckede gegründet. Hier wurden auch die ersten Kassenräume des neuen Instituts eingerichtet. Erster Kassierer wurde Werner Schulze. Bis 1928 blieb der Kassenraum im Hause der Familie Lohmann. Kurz nach Bezug des Kassenraumes wurde im Haus auch einer der ersten Telephonanschlüsse in Bleckede geschaltet. Er hatte der Nummer 6. Nach dem Umzug der Spar- und Darlehnskasse im Jahre 1928 in einen Neubau in der Gartenstraße nahm diese auch den Telephonanschluß mit dorthin. Friedrich Lohmann erhielt daraufhin einen neuen mit der Nummer 91.


    Am 25.06.1924 heiratete der 1896 geborene Fritz Lohmann die am 08.01.1901 im Vorort Kleinburg geborene, von einem Bauernhof stammende Else Burmester. Beide hatten drei Kinder. Die 1924 geborene Else (verehelichte Knispel, verstorben 2008), die 1925 geborene Anneliese (verehelichte Tommeschat) und den 1936 geborenen Fritz, den heutigen Seniorchef der Firma.


    Friedrich Lohmann war mehr als 30 Jahre Ratsherr im Flecken Bleckede. Nach der Wiedererlangung der Stadtrechte wurde er als 1. Beigeordneter in den Jahren 1929/1930 Bürgermeister. Am 04.04.1931 verstarb er in Bleckede.



    Friedrich Lohmann, Bürgermeister in Bleckede in den Jahren 1929/1930


    Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges nahm die Firma eine überdurchschnittliche Entwicklung. Fritz Lohmann fuhr mit Pferd und Wagen über Land. Er belieferte damals nahezu den gesamten Landkreis Lüneburg mit Tonwaren aus der niederschlesischen Stadt Görlitz.


    Fritz Lohmann wurde im 2. Weltkrieg als Hilfszöllner an die holländische Grenze beordert. Seine Schwester Lieschen führte die Geschäfte in dieser Zeit zuhause weiter. Sie übernahm später auch die Verantwortung nachdem Fritz Lohmann noch unmittelbar vor Ende des 2. Weltkrieges unschuldig sein Leben lassen mußte. Er wurde bei Kanalpolder im Rheiderland von einer von auf dem Rückflug nach England befindlichen Fliegern abgeworfenen britischen Bombe getroffen und schwer verwundet. Kurz darauf ist er verstorben. Auf dem Friedhof von Ditzum an der Ems erinnert ein Kriegsgrab an ihn.


    Die Jahre nach dem Zusammenbruch Deutschlands waren schwierige Jahre. Bleckede war wie Deutschland zweigeteilt, die willkürlich gezogene Zonengrenze versetzte Bleckede in eine Lage am Rande der westlichen Welt. Durch diese schwierige Zeit des Wiederaufbaus führte Lieschen Lohmann die Firma. Ab dem 01.04.1957 übernimmt dann Fritz Lohmann (geb. 1936) die Firma und führt sie weiter. Unter seiner Regie sollte in den folgenden Jahren sehr viel passieren. Schon 1958 standen die ersten Umbaumaßnahmen an. Die Fensterfront zur Breiten Straße wurde verändert und es wurden einige kleine Veränderungen im Innenbereich des Hauses durchgeführt.


    Am 01.10.1960 kann die Firma Fritz Lohmann dann ihr 100. Firmenjubiläum feiern. Aus diesem Anlaß findet ein Jubiläums-Sonderkauf mit attraktiven Angeboten statt. 1961 heiratet Fritz Lohmann seine Frau Erika, geb. Beck (geb. 1939). Beide haben zwei Söhne, Fritz (geb. 1965) und Jens (geb. 1969). Im Sommer 1965 stehen erneut Umbaumaßnahmen an. Die Schaufensterfront wird abermals verändert und es wird ein Kellerbereich wasserdicht gemacht, um ihn als zusätzliche Verkaufsfläche zu nutzen. Außerdem mußten auf dem Dach befindliche Bullaugenfenster entfernt werden, da sie marode und nicht mehr reparabel waren. Gleichzeitig wurde noch ein im Hofbereich befindlicher alter Anbau wegen Baufälligkeit abgerissen.


    Der nächste Umbau stand dann 1972 an. Die Schaufensterfront wurde wieder verändert. Es wurden Panoramascheiben eingebaut, gleichzeitig wurde der Haupteingang von der rechten auf die linke Hausseite verlegt. Anfang des Jahres 1981 ergab sich nach dem Tod der Nachbarin Frieda Bork dann die Gelegenheit, das Nachbarhaus Breite Straße 32 hinzuzukaufen. Es folgte ein Umbau, in dessen Zuge beide Häuser verbunden wurden. Die zur Verfügung stehende Verkaufsfläche verdoppelte sich hierdurch in etwa.


    Am 16.12..1982 verstarb Lieschen Lohmann im Lüneburger Krankenhaus im Alter von 80 Jahren. Sie war der Familie und der Firma bis zuletzt sehr eng verbunden, verbrachte ihr ganzes Leben im elterlichen Haus. Im Jahre 1983 wurde der Straßenverlauf Breite Straße / Friedrich-Kücken-Straße grundsaniert. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden die Bürgersteige angehoben. Das hatte eine perspektivische Absenkung des Höhenniveaus an den Schaufenstern zur Folge. Am 05.05.1984 fand in der nunmehr 775-jährigen Stadt Bleckede das erste Stadtfest statt. Die Firma Fritz Lohmann war mittendrin. Ein Jahr später, am 01.10.1985, konnte die Firma Fritz Lohmann dann ihr 125. Firmenjubiläum feiern. Zu diesem Anlaß gab es Musik vom Spielmannszug der Schützengilde Bleckede, einen Würstchen- und Getränkeverkauf sowie einen Sonderverkauf mit attraktiven Jubiläumsrabatten. Im selben Jahr verstarb Else Lohmann, geb. Burmester im Alter von 84 Jahren und es wurde ein nicht mehr benötigter Wohnraum im hinteren Bereich zur Vergrößerung der Verkaufsfläche hinzu genommen.


    1991 werden die im Haus Breite Straße 32 befindlichen Verkaufsräume um nun nicht mehr benötigte Lagerräume erweitert. Dieses sollte zugleich die bis heute letzte Erweiterung der Verkaufsräume sein. Im September 1996 heiratet Fritz Lohmann (geb. 1965) Christiane Wesche aus Neu Oertzen (geb. 1967). Mit Wirkung ab dem 01.01.1999 werden die Geschäfte der Firma Fritz Lohmann übertragen auf die neu gegründete Firma Fritz Lohmann GmbH. Alle Mitarbeiter werden übernommen und auch sonst läuft alles wie gewohnt weiter. Fritz Lohmann (geb. 1965) wird Geschäftsführer der Fritz Lohmann GmbH. Mit ihm ist die 5. Generation in der Firma tätig.


    Mit der Jahrtausendwende 1999/2000 wird das Warenangebot in einigen Bereichen der veränderten Nachfrage der Kunden angepaßt. Ein Schwerpunkt wird zukünftig auf den Bereich Geschenkartikel gelegt. Im August 2000 wird Sören, der Sohn von Fritz und Christiane Lohmann in Lüneburg geboren. Im Jahr 2003 tritt Christiane, die Ehefrau von Fritz Lohmann, in die Firma ein. Im Sommer des Jahres 2005 werden in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz die Holzfenster am Hause Breite Straße 30 ersetzt. Gleichzeitig werden die 1965 entfernten Bullaugenfenster am Dach rekonstruiert.



    Aufschrift aus alten Tagen am Lagergebäude Zollstraße 9


    Am 01.10.2010 kann die Firma Fritz Lohmann auf eine 150-jährige Firmen- und Familientradition in Bleckede zurückblicken. Damit ist sie eine der ältesten bis heute ununterbrochen im Familienbesitz befindlichen Firmen in der Stadt Bleckede und im Landkreis Lüneburg. Heute wird die Firma in der 5. Generation von Fritz Lohmann und seiner Ehefrau Christiane geführt.


    Jens Lohmann, 2010